49. Die praktische Ausbildung des Denkens
Das ist das eine. Dann aber handelt es sich nicht bloß darum, für dieses Individuelle sich ein so geartetes Interesse heranzuerziehen, sondern für den Tatsachenverlauf selber. Und da kann man durch spezielle Übungen es sehr weit bringen. Nehmen Sie an, Sie treten einem ganz bestimmten Ereignis, einer bestimmten Tatsache entgegen; Sie beobachten die Tatsache; ein Mensch tut dies oder jenes. Sie fassen das treu auf, Dann bilden Sie sich folgende Gedanken: Wenn das heute geschieht, so will ich mir an der Hand dieser Tatsache die Vorstellung bilden von dem, was gestern geschehen sein mag als die Voraussetzung zu dem, was heute geschieht. Ich will mir konstruieren im Begriffe, was vorangegangen ist, das heißt, ich verlängere mir die Tatsache nach rückwärts im Begriffe. Und dann gehe ich daran und forsche, wie es gewesen ist. Zuerst wird der Mensch finden, dass er sich geirrt hat, aber nach und nach wird er merken, dass er dadurch, dass er solche Übungen macht, dass er sich konstruiert nach rückwärts hin die Ursachen bis zu einer gewissen Zeit und dann an den Tatsachen sieht, ob sein Denken sich so angelehnt hat, dass es die Wirklichkeit trifft, dann wird er sehen, dass er nach einiger Zeit aus den Tatsachen selber heraus denkt, dass sie ihn führen, dass er die richtigen Voraussetzungen trifft.
Cite:
GA 68b/1909-02-13/p031 · edition original