49. Die praktische Ausbildung des Denkens
So sehen wir, wie der Mensch sozusagen in die Dinge hineinkriechen kann, sich identifizieren kann im Denken mit den Tatsachen. Dann verläuft, was er denkt, im Sinne der Tatsachen. Ich spreche heute für Erwachsene — für Kinder würde es zu weit führen —, nur das sei noch gesagt: Wenn jemand ein wirkliches, an die Außenwelt gebundenes Denken entwickeln will, dass sozusagen das Denken entspricht dem, was draußen vorgeht, so muss er besorgt sein, solche Übungen nicht bloß so zu machen, dass ein Ereignis neben das andere gestellt wird, sondern er muss beachten, ein Gefühl zu erhalten für das Gewicht eines Ereignisses. Das ist etwas, was zusammenhängt mit der praktischen Ausbildung des Denkens, was aber die wenigsten Menschen heute kennen. Wer beobachtet, weiß, wie wenig die Menschen ein Gefühl dafür haben, dass es einen Unterschied macht, ob der eine eine Sache sagt oder der andere. Dasselbe können die beiden ausdrücken. Durch das aber, als was der eine sich uns darstellt, haben seine Aussagen ein anderes Gewicht als durch das, als was der andere sich uns darstellt. Für das Gewicht der Dinge, die wir erlangen, müssen wir uns vor allen Dingen ein gewisses Gefühl aneignen.
Cite:
GA 68b/1909-02-13/p034 · edition original