49. Die praktische Ausbildung des Denkens
Aber in viel feinere Gebiete geht das noch hinein. Wir haben heute ein wunderbares Forschungsgebiet, das hineinleuchtet in die kleinsten Organe der Wesenheiten. Da finden sich sehr bedeutsame kleine Organe. Die Forschungsmethoden sind bewunderungswert, durch die man imstande ist, an Pflanzen etwas nachzuweisen, was die menschlichen Seelenorgane nachahmt. Man weist nach, dass facettenartige Organe da sind, die das Auge bilden. Ja, man fotografiert sogar Bilder, die da entstehen in den Pflanzenaugen, und daraus wird geschlossen — es soll nichts verunglimpft werden an der wunderbaren Forschungsmethode, aber es soll nur die Schlussfolgerung ins rechte Licht gesetzt werden —, da wird geschlossen: Weil das so beobachtet werden kann, so müsse die Pflanze in ähnlicher Weise beseelt sein wie Tier und Mensch. Man sieht gewisse Pflanzen, welche durch ihre Organe Insekten heranziehen und sie verzehren. Eine gewisse Fresstätigkeit, Sinnestätigkeit entwickeln sie; sie ziehen Insekten an und verdauen sie gleichsam. Und die Schlussfolgerungen, die man daran schließt, sind sehr geeignet, zu verwischen den Unterschied, der nicht verwischt werden darf zwischen Pflanze, Tier und Mensch.
Cite:
GA 68b/1909-02-13/p048 · edition original