52. Die Mission des Zornes. Der gefesselte Prometheus
Nehmen Sie das menschliche Einzelleben, nehmen Sie es in dem Sinne, wie es ein ernster Betrachter des Daseins nehmen soll. Ist es möglich, dass einem Menschen im dritten Lebensjahre dasselbe zugemutet wird wie einem Menschen im zwölften oder sechzehnten Lebensjahr? Das ist unmöglich. Bei einem Wesen, das in Entwicklung ist, und das so in Entwicklung ist, dass ein Zusammenspiel von Kräften stattfindet - unmöglich kann ihnen das Gleiche zugemutet werden. Ein jeder Entwicklungspunkt hat seine Zeit, und es ist bitter für die ganze Entwicklung des Wesens, wenn gegen dieses Gesetz des Reifwerdens gesündigt wird. So ist es bitter für die einzelne menschliche Entwicklung zwischen Geburt und Tod, wenn dem Ich in einem Lebensalter etwas zugemutet wird, was erst in einem anderen Lebensalter zugemutet werden sollte, nach dem Grad der Reife. So ist es aber auch ungesund, wenn einem Menschen auf niederer Entwicklungsstufe, der noch nicht hinreichend seine Leidenschaften und Triebe geläutert hat, Dinge zugemutet werden, die erst in einer wirklich fruchtbaren Weise einem solchen Ich zugemutet werden können, welches durch die verschiedenen Stufen der Läuterungen hindurchgegangen ist. So ist es, wenn das menschliche Ich solche bedeutenden Ideen, wie Gerechtigkeit und Liebe, als Ideale vor sich sieht und sich sagt: Du musst hinaufsteigen —, sodass sie wie zwei große Leitsterne im Leben des Menschen wirken. Aber der Weg muss in der richtigen Weise gegangen werden. Wenn wir nun nicht das Einzelleben betrachten, sondern das ganze menschliche Leben im Verlauf der Jahrhunderte und Jahrtausende, wie das menschliche Ich wiederkehrt und arbeitet an der menschlichen Wesenheit, dann werden wir eine komplizierte Tatsache vor uns haben, welche sehr zwingt, die Aufmerksamkeit auf die Reifung zu lenken. Wenn —- was heute nur angeführt werden kann, was aber im Verlauf der Wintervorträge von den verschiedenen Gesichtspunkten [aus] berührt wird -, wenn der Mensch nicht nur einmal lebt zwischen Geburt und Tod, sondern immer wiederkehrt, dann ist das [denkbar] , was die Geisteswissenschaft als notwendige Konsequenz der Entwicklung erkennt, dass das Ich nicht nur einmal lebt zwischen Geburt und Tod, sondern immer wiederkehrt, dann ist das [denkbar], was die Geisteswissenschaft als notwendige Konsequenz der Entwicklung erkennt, dass das Ich nicht nur einmal in diesem Leben zwischen Geburt und Tod lebt, sondern aufeinanderfolgende Verkörperungen durchmacht.
Cite:
GA 68b/1909-10-21/p031 · edition original