52. Die Mission des Zornes. Der gefesselte Prometheus
Wenn wir diesen Unterschied betrachten, werden wir uns sagen: Warum ist in dem einen Falle Zorn, in dem anderen Falle Gelassenheit? Würde derjenige Mensch, der zornentbrannt hinsieht auf das, was das Kind tut, durch die Reife seines Ich imstande sein, in dem betreffenden Fall das Richtige zu tun? Wenn Sie das Leben betrachten, werden Sie sich sagen, er wird in der Regel nicht imstande sein dazu. Es gehört ein gewisser Reifegrad des Ich dazu, dass das Ich, trotzdem es keinen Affekt empfindet und kalt und gelassen bleibt, dennoch in Liebe zur Sache, in Liebe zu dem, was sein soll, das Rechte tut. Es gehört ein gewisser Grad der Reife dazu. Und jeder Mensch steht auf einem gewissen Punkte in Bezug auf diese Reife. Es kann das menschliche Ich nicht immer denjenigen Grad von Gelassenheit haben, der es befähigt, trotzdem es keinen Affekt empfindet, das Rechte zu tun. Dazu muss sich das menschliche Ich bis zu einer bestimmten Stufe hinentwickeln. Was würde der Erzieher tun, wenn er gelassen wäre und nicht Zorn empfände? Dann stünde der Erzieher mit seiner Gelassenheit daneben, täte nichts und ließe die Sache sein.
Cite:
GA 68b/1909-10-21/p038 · edition original