52. Die Mission des Zornes. Der gefesselte Prometheus

GA 68b/1909-10-21/p045 ·1909-10-21 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Da keine professionellen Stenogramme vorliegen, handelt es sich oftmals um notizenhaft festgehaltene Zusammenfassungen oder Berichte.» (Since no professional shorthand transcripts exist, these are often summaries or reports kept in the form of notes.). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68b). The translation is the maintainer's, not a published one.

Bei denen, welche tiefer in das Wesen der Seele hineingeschaut haben, finden wir schon in den Namen das, was das Wesen ist, angedeutet. Derjenige, der vom Standpunkte der Geisteswissenschaft dasjenige betrachtet, was durch die Zeitenwende als Sage und Mythe der Völker, als Überlicferung der Völker hindurchgeht, der macht in seiner Seele eine merkwürdige Entdeckung. Dasjenige, was man nennen könnte die «Wissenschaft des grünen Tisches», kann Ihnen antworten, wenn Sie fragen, woher dieser oder jener Mythos kommt: Das ist Volksdichtung. — Nur der, welcher Volksdichtung nicht kennt, kann so von Volksdichtung sprechen. Wer aber tiefer hineingeht, wenn er hineinleuchtet in diese oder jene Sage, diesen oder jenen Mythos, der macht die merkwürdige Entdeckung, dass große Weisheiten darin enthalten sind. Bevor die Menschheit durch logisches Urteil, durch Erwägen und Zählen, wie es heute richtig ist, ausgebildet war, wie sie heute ist, bevor diese Urteilsfähigkeit zur Anschauung der Wahrheit führte, führte sie ein anderes, ein hellsichtiges Erkennen - mehr im Bilde — dahin, die Wahrheit anzuschauen. So werden die Mythen und Sagen etwas ganz anderes, als sie zunächst [zu sein] scheinen. Sie werden zum Ausdruck von tiefen Wahrheiten.

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Cite: GA 68b/1909-10-21/p045 · edition original