52. Die Mission des Zornes. Der gefesselte Prometheus

GA 68b/1909-10-21/p047 ·1909-10-21 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Da keine professionellen Stenogramme vorliegen, handelt es sich oftmals um notizenhaft festgehaltene Zusammenfassungen oder Berichte.» (Since no professional shorthand transcripts exist, these are often summaries or reports kept in the form of notes.). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68b). The translation is the maintainer's, not a published one.

Ich könnte die ganzen Vorträge über den Winter ausfüllen, wenn ich Ihnen sagen wollte, was über den «Prometheus» zu sagen ist. Diese Dichtung knüpft an die Mythe an, die der Name Prometheus umschließt. Sie kennen wohl alle, was der Prometheus-Mythos umschließt. Wir wollen es uns kurz vor die Seele rufen. Die Griechen sahen, wenn sie den geistigen Blick zurückschickten in vergangene Zeiten, sahen sie in Wirksamkeit innerhalb unseres Erdenwesens, innerhalb unseres Erden- und Weltenwerdens, uralte Göttergeschlechter. Heute soll nicht ausgemacht werden, was man sich darunter vorzustellen hat. Denken Sie sich, es seien Personifikationen von Naturkräften, oder was und wie immer darüber; darauf kommt es heute nicht an. Die Griechen sahen zwei alte Göttergeschlechter: Uranos und Gäa; abgelöst wurden diese alten Himmelsgöttergeschlechter, welche die ersten Vorgänge unserer Erde hervorriefen, durch das Titanengeschlecht; jenes Titanengeschlecht, zu dem Kronos und Saturn gehörten. Kronos war der Sohn des Uranos. Erzählt wird uns davon, dass die Titanen, an ihrer Spitze Kronos, die Herrschaft an sich rissen und den alten Uranos stürzten. Wir können von vornherein die Vermutung haben — es wird darauf hingewiesen, und so ist es auch —, dass nach der griechischen Anschauung in alten Zeiten bestimmte Formen des Lebens vorhanden waren, die damals unter anderen Herrschaften standen als in späteren Epochen der Entwicklung. Wer weiß, dass sich die Formen des Geschehens im Laufe der Zeit ändern, der wird den genialen Blick des griechischen Mythos bewundern, der den Anfang der [ErdJentwicklung, jenes Zusammenspiel einfacher Urkräfte der Welt, ausdrückt durch die Ehe zwischen Uranos und Gäa, der dann eine spätere Epoche ausdrückt dadurch, dass er sagt, es treten die Titanen auf. Das ganze Antlitz der Erde ändert sich, sodass andere Formen des Lebens, des Geschehens und Werdens da sind. So haben wir in den Titanen ein zwei[tes] Göttergeschlecht, Kräfte, die innerhalb der Erdentwicklung wirken. Warum wird das Titanengeschlecht von dem Geschlechte abgelöst, dessen Führer Zeus ist? Er ist sozusagen ein Angehöriger des jüngsten der Göttergeschlechter. Er stürzte darum den Kronos mit den Seinigen in eine unbekannte Welt, eine verborgene Welt, der die Titanen angehören, und in der Zeus derjenige ist, der die Weltherrschaft ausübt.

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Cite: GA 68b/1909-10-21/p047 · edition original