53. Der menschliche Charakter
Dieses wunderbare Phänomen des menschlichen Charakters [müssen wir] begreifen wie eine Art von innerer Seelenmusik, von einem Spiel des Ich auf den verschiedenen Saiten des menschlichen Seelenlebens. Nun spielt es nicht nur im Allgemeinen mit den Seelengliedern, sondern in all dem, was in diesen einzelnen Seelenteilen des Menschen vorhanden ist. Wir sehen zum Beispiel eine solche Seeleneigenschaft als einen Affekt der Empfindungsseele: den Zorn. Wenn das Ich wenig entwickelt ist, nicht hinaufgestiegen [ist] in die höheren Regionen des Seelenlebens, gibt es sich dem Zorn hin; dann finden wir [solch einen] Zornesausbruch, der uns zeigt, wie ein sich seiner selbst unbewusstes Ich in die Welt hinausstürmt. Es hat sich nicht in seiner Gewalt, weil es in einer gewissen Beziehung unentwickelt geblieben ist, ... sich nicht in der Hand hat, wenn es vom Zorne übermannt ist.
Cite:
GA 68b/1909-10-29/p019 · edition original