53. Der menschliche Charakter
Der Mensch nimmt auf in sein Seelenleben das, was wir Zeit nennen. Das Ich entwickelt den verborgenen Keim nach und nach heraus, die seelischen Eigentümlichkeiten aus der Empfindungsseele, aus der Verstandesseele herauf bis in die Bewusstseinsseele hinein. So tritt uns das Kind in anderer Weise entgegen in Bezug auf den Charakter als ein junges Tier. Dieses übt von den ersten Zeiten an die Betätigungen, die ihm vermöge seiner Art obliegen. Der Mensch tritt in gewisser Beziehung charakterlos in die Welt. Die einzelnen Formen, selbst die in seiner Anlage begründeten, selbst das, was sich der Mensch erwirbt dadurch, dass er von andern bearbeitet wird, alles das, was im späteren Leben auftritt, muss durch die Zeit erworben werden.
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GA 68b/1909-10-29/p034 · edition original