53. Der menschliche Charakter
Wenn das Ich die anderen Seelenglieder in die Verstandesseele hineinspielen lässt, so prägt sich dies so aus, dass es in der menschlichen Physiognomie zum Ausdruck kommt. Was wir den Menschen am Gesichte ablesen, ist der Ausdruck des Arbeitens des Ich an Verstandes- oder Gemütsseele, wohin das Ich die andern Seelenglieder arbeiten lässt. Nun haben wir gesagt, dass der Mensch, wo das Ich besonders in der Gemütsseele spielt, einen bildsamen Charakter bekommt; daher wird sich diese Bildsamkeit auch äußerlich zeigen. Diese Bildsamkeit, die zur Zeit, zur Geschichte gehört, können wir ablesen von der Physiognomie: ein gramdurchfurchtes Gesicht. Hier ist die Geschichte eines Menschen eingeprägt, die Schrift dessen, was der Mensch in seinem Schicksal erfahren hat.
Cite:
GA 68b/1909-10-29/p050 · edition original