53. Der menschliche Charakter
Wenn das Ich in der Verstandesseele sich betätigt, dann prägt das Ich diese [nicht nur in die] Physiognomie, nicht nur in die Leiblichkeit, sondern auch in die Schrift hinein. Charakter und Gepräge der Schrift sind in gewisser Weise ein Spiegelbild des Arbeitens des Ich in der Verstandesseele. Hier freilich [ist der Deutungs-] Trieb recht gefährlich. Wenn nicht gesunde Allseitigkeit in der Beurteilung sich geltend macht, so kommt ein Dilettantismus oder Humbug in der Schriftdeutung heraus. Damit wird nicht dieses abgelehnt, sondern aus höherem Gesichtspunkte gerechtfertigt, dass wirklich der Charakter in die Schrift einfließen kann.
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GA 68b/1909-10-29/p055 · edition original