{"corpus":"steiner","locus":"GA 68b/1910-03-12/p033","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was würde geschehen, wenn wir in diese Untergründe der Seele hineintreten könnten ohne diese Begegnung mit dem Hüter der Schwelle? Da würde etwas eintreten, was sehr verderblich wäre für den Menschen. Nehmen wir einmal an, es würde so geschehen, dass der Mensch durch irgendein Ereignis, ohne die Begegnung mit dem kleinen Hüter der Schwelle zu haben, eintritt in übersinnliche geistige Fähigkeiten seiner Seele. Dann würde dieses Eintreten nicht alle jene Dämpfung, alle jene Läuterung erfahren können, die einzig und allein möglich ist, wenn wir uns in unserer ganzen Unvollkommenheit als einen Doppelgänger vor uns haben. Dann würden nicht die guten Eigenschaften unserer Seele hervortreten, um sozusagen zu mildern alles dasjenige, was in unserem Ich waltet und webt an selbstsüchtigen, an den bloß unser Ich berücksichtigenden Impulsen und Trieben. Würde der Mensch, [ohne] mit dem Hüter der Schwelle Bekanntschaft zu machen, in sein Ich hinuntersteigen, dann würde dies bedeuten für ihn, dass aufgestachelt würden in ihm alle schlimmen Seiten seines Wesens. Alles, wozu er fähig wäre an schlimmen Impulsen seines Wesens, würde in ihm wachgerufen werden. Alles, was an Hochmut, Eitelkeit, Lügenhaftigkeit in seiner Seele wurzelte, würde sich wie eine mächtige Kraft aufbäumend geltend machen. Und der Mensch würde werden im höchsten Maße ein Wesen, das sich durch den eigenen Egoismus selber verzehrt und verbrennt; der Mensch würde in seinem eigenen Egoismus zugrunde gehen; er würde sich in einen solchen Konflikt bringen mit der Welt, dass er an seinem eigenen Egoismus sich zunächst verzehrte. Das ist dasjenige, was uns charakterisieren kann, wie der Mensch sozusagen eine gewisse Wohltat genießt in seinem Leben dadurch, dass ihm sein Bewusstsein verdunkelt wird im Moment des Einschlafens. Würde er nicht unbewusst im Schlafe weilen, so würde er sich aus der Welt, in der er dann bewusst wäre, eine fortdauernde Steigerung seines Egoismus und seiner Unwahrhaftigkeit herausholen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"55. Die Mission der Andacht","site_heading":null,"date":"1910-03-12","location":null,"word_count":301,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68b/1910-03-12/p033","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68b/1910-03-12/p033"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68b/1910-03-12/p033","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Da keine professionellen Stenogramme vorliegen, handelt es sich oftmals um notizenhaft festgehaltene Zusammenfassungen oder Berichte.","evidence_translation":"Since no professional shorthand transcripts exist, these are often summaries or reports kept in the form of notes.","evidence_source":"The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68b). The translation is the maintainer's, not a published one."}}