55. Die Mission der Andacht
Wer als wirklicher Geistesforscher hineingehen will in dieses Geistige, der muss haben eine andere Begegnung. Es ist die Begegnung mit dem sogenannten großen oder größeren Hüter der Schwelle. Das ist dasjenige, was uns in dem Augenblick, wo wir sozusagen durchbrechen das gewöhnliche Anschauen und gewöhnliche Verstehen, vor Augen führt, wie weit wir abstehen von einem vollständigen Begreifen der Welt. Dann tritt uns der große Hüter der Schwelle entgegen. Und er weist uns klar an, wie wir nun nicht mehr alle jene Fragen nach den letzten Gründen so ohne Weiteres zu stellen haben, wie wir nicht mehr neugierig eintreten sollen hinter den Schleier des Daseins, ohne dass wir erst von Stufe zu Stufe sorgfältig und langsam weben und arbeiten an den Fähigkeiten, die uns hinaufführen, um langsam die Einblicke zu gewinnen von Welt zu Welt. Dann lernen wir durch diesen größeren Hüter der Schwelle — er soll nur von diesem Gesichtspunkte aus hier charakterisiert werden — was wir alles noch nicht haben an Fähigkeiten, um einzudringen in die geistige Welt. Wir bekommen zu gleicher Zeit Anleitung, wie wir das ausarbeiten sollen, was wir noch nicht haben. Die Selbstvervollkommnung, der wir uns unterwerfen müssen, tritt uns durch das, was man den größeren Hüter der Schwelle nennt, mit aller Deutlichkeit entgegen.
Cite:
GA 68b/1910-03-12/p040 · edition original