55. Die Mission der Andacht
Andacht und Verehrung sind etwas wunderbar Leuchtendes, das wunderbare Strahlen werfen kann [auf das], was uns eben später erst entgegentritt. Man erinnert sich — so sagte ich eben — als an die größten Momente seiner Kindheit zurück, an eben solche Momente, wo man so recht gelernt hat zu verehren auch schon gegenüber dem, was einem in der Außenwelt entgegentreten kann. Und man hat so an diesen Keimen der Andacht einen kleinen Abglanz von demjenigen, was jene umfassende Andacht geben kann, die sich hinaufsteigert zu demjenigen, was uns mehr oder weniger ein Unbekanntes bleiben muss. Auch wenn es sich uns bis zu einem gewissen Grad als Erkenntnis der geistigen Welt schon erschlossen hat, bleibt etwas uns doch wiederum unbekannt; denn hinter jedem Bekannten steht wiederum ein Unbekanntes. Schon die gewöhnlichen Andachten sind ein Abglanz dieser umfassenden Andacht, mit der unsere Seele nach dem Unbekannten hinstrebt, bevor sie vollständig in dieses Unbekannte eindringen kann.
Cite:
GA 68b/1910-03-12/p049 · edition original