55. Die Mission der Andacht
So können wir in uns die Stimmung der Andacht entwickeln gegenüber einer unbekannten Welt. Wir werden vielleicht noch nicht hineindringen können zu einem Erkennen derselben, sie aber gießt aus sich heraus Kräfte, die sich umwandeln in unserer Seele und die zu Wirkungsimpulsen werden für unser äußeres Leben. Geradeso, wie wenn wir des Abends einschlafen ermüdet und früh erfrischt aufwachen, wie uns die Nacht bringt die Erquickung, wie uns das herauskommt, was unsere ermüdeten Arme wiederum fähig macht zum Arbeiten, so ist es im äußeren Leben, wenn wir uns zu stellen wissen zu den unbekannten Welten — in die wir noch nicht hineinschauen vermögen, die hinter der sinnlichen Wirklichkeit stehen -, wenn wir uns ihnen andächtig nahen. So mögen sie uns, wie der sanfte Schlaf, unserem Bewusstsein verhüllen ihre Kräfte; aber sie geben uns ihre Kräfte. Und die Andacht ist es, durch die wir hinpilgern können zu unbekannten Welten und die uns die Kräfte dieser unbekannten Welten erschließt, uns dadurch mit unserem Ich aus uns selber herausbringend und zur Wirksamkeit fähig machend in der äußeren Welt. So nähern wir uns mit unserem Ich andächtig den unbekannten Welten. Aus ihnen wird unser Ich reicher gemacht mit demjenigen, was uns mit der Welt wiederum zusammenführen kann. Wir werden mächtiger, stärker, kräftiger durch das, was uns durch die Andacht wird.
Cite:
GA 68b/1910-03-12/p056 · edition original