{"corpus":"steiner","locus":"GA 68c/1904-04-04/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es wird gesagt, Goethe habe uns in seinem «Faust» eine Art modernes Evangelium geliefert. Wenn dieser Ausspruch gelten soll, dann hat uns Goethe aber auch neben seinem Evangelium eine Art geheime Offenbarung, eine Art Apokalypse geliefert. Diese Apokalypse ist verborgen in seinen Werken; sie bildet den Schluss der «Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter» und wird nur von wenigen gelesen. Immer bin ich gefragt worden, wo denn dieses Märchen in Goethes Werken stehe. Es steht in allen Goethe-Ausgaben und bildet wie gesagt den Schluss der «Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter». Goethe hat in diesem Märchen ein Kunstwerk geschaffen von unendlicher Schönheit. Es soll nicht der unmittelbare bildliche Eindruck des Kunstwerkes zerstört werden, wenn ich hier den Versuch mache, eine Interpretation dieses Märchens zu geben. Goethe hat seine vertraulichsten Gedanken und Vorstellungen in das «Märchen» hineingeheimnisst. Er hat zu Eckermann in den letzten Jahren seines Lebens gesagt: Mein lieber Freund, ich will Ihnen etwas sagen, was Ihnen nützlich sein kann, wenn Sie meine Werke betrachten. Meine Werke werden nicht populär werden; es werden Einzelne verstehen, was ich sagen wollte, aber populär werden kann bei meinen Werken nicht eintreten. Das hat er wohl vorzugsweise im Hinblick auf den zweiten Teil des «Faust» gesprochen und damit sagen wollen, dass derjenige, welcher «Faust» genießt, einen unmittelbaren künstlerischen Eindruck haben kann. Wer aber hinter die Geheimnisse, die im «Faust» verborgen liegen, kommt, der wird auch noch sagen können, was hinter diesen Bildern versteckt ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie","site_heading":null,"date":"1904-04-04","location":null,"word_count":234,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68c/1904-04-04/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}