{"corpus":"steiner","locus":"GA 68c/1904-04-04/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das war es, was die Mysten aller Zeiten angestrebt haben: das Absterben-Lassen des Niederen und das Auferstehen-Lassen dessen, was im Geiste lebt. Das Absterben der sinnlichen Wirklichkeit gering achten, damit der Mensch aufsteigt in das Reich der göttlichen Absichten. Sterben, um zu werden. Wer das nicht hat, der weiß nicht, was für Kräfte in unsere Welt hineinschwingen; der ist nur ein trüber Gast auf unserer Erde. Das hat Goethe im «West-Östlichen Diwan» ausgesprochen und das sucht er auch in aller Anschaulichkeit darzustellen in dem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie. Die Verwandlung des Menschen von der einen Stufe des Daseins zu einer höheren Stufe hinauf, das war es, was er als ein Rätsel lösen wollte. Das Rätsel: Wie kann der Mensch, der im Alltäglichen lebt, der nur mit Augen schauen, mit Ohren hören kann, wie kann er es erfassen, dieses «Stirb und Werde»? Das war die Frage der Mystiker aller Zeiten. Diese große Frage nannte man zu allen Zeiten die «spirituelle Alchemie», die Verwandlung des Menschen von der Alltagsseele zu der Geistseele, welche die geistigen Dinge so erfasst wie der gewöhnliche Mensch die irdischen Dinge, den Tisch, den Stuhl und so weiter, und sie für wirklich hält. Wenn diese Alchemie mit dem Menschen vorgegangen war, dann hielten ihn die Mysterienführer für würdig, die höchsten Wahrheiten zu empfangen. Dann führten sie ihn in das Allerheiligste, dann wurde er initiiert, dann wurde er ausgestattet mit den Lehren, die ihn über die Absichten der Natur unterrichten, über die Absichten, die den Weltenplan durchziehen. Eine solche Initiation ist es, die Goethe [im «Märchen»] beschreibt: eine Einweihung des würdigen Menschen in die Mysterien.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie","site_heading":null,"date":"1904-04-04","location":null,"word_count":271,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68c/1904-04-04/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}