{"corpus":"steiner","locus":"GA 68c/1904-04-04/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das, was Goethe hier verspottet, die Vermählung mit der Lilie, das war es, was er in dem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie zeigen wollte. Das Höchste, was der Mensch anstreben kann, das Höchste, in was sich der Mensch verwandeln sollte, das bezeichnet Goethe mit dem Symbol der Lilie. Es ist gleichbedeutend mit dem, was wir höchste Weisheit nennen, sodass das Handeln des Menschen seine Natur durchschaut, wie ein Entwickeltsein eine Ewigkeit geworden ist. Wenn der Mensch auch die urewigen Gesetze befolgt, nach denen wir die urewigen Gesetze des Daseins vollenden müssen, wenn er auch die urewige Entwicklung seiner Freiheit anerkennt, so befindet er sich auf einer Stufe der Entwicklung, so stellt dies eine solche Seelenverfassung dar, eine solche Stufe der Erkenntnis, welche mit dem Symbol der Lilie bezeichnet wird. Mit dieser Lilie, der höchsten der Seelenkräfte, dem höchsten Zustande des Bewusstseins, wo der Mensch frei sein darf, weil er seine Freiheit nicht missbrauchen kann, weil er niemals störend in die Kreisläufe der Freiheit eingreifen kann, diesen Inhalt der Seele, welcher den Mysten in den Mysterien vermittelt wurde, indem sie gereinigt verwandelt wurden, diesen Inhalt bezeichnet man von jeher symbolisch als die Lilie. Als Lilie bezeichnet man gleichzeitig dasjenige, was Spinoza da, wo er sonst nüchtern und mathematisch erscheint, in seiner «Ethik», zum Schluss enthusiastisch, fast poetisch ausdrückt, wenn er sagt, dass der Mensch hinaufgestiegen ist in die höheren Sphären des Daseins, dass er sich durchdringt mit den Gesetzen der Natur. Das bezeichnet Spinoza als das Reich der göttlichen Liebe in der Menschenseele; das Reich, wo der Mensch zu nichts mehr gezwungen wird, sondern wo alles dasjenige, was im Bereich der menschlichen Entwicklung liegt, aus Freiheit und Hingebung, aus voller Liebe geschieht; da wo jeder Zwang, jede Willkür verwandelt wird durch geistige Alchemie, wo alles Handeln einfließt in das Gebiet der Freiheit. Goethe hat jene Liebe bezeichnet als das höchste Freisein, als das Freisein von allen Begierden und Wünschen des alltäglichen Lebens. Er hat gesagt:","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie","site_heading":null,"date":"1904-04-04","location":null,"word_count":328,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68c/1904-04-04/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}