{"corpus":"steiner","locus":"GA 68c/1904-04-04/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"In den persischen Mysterien gab es sieben Einweihungen. Sie sind wie folgt: Zuerst wurde man Rabe, dann Geheimer, dann ein Streiter, dann ein Löwe. Der fünfte Grad war derjenige, wo der Mensch bereits das Leben von der anderen Seite anschaute, wo der Mensch zum eigentlichen Menschen geboren war. Daher nennt der Perser denjenigen, der den Standpunkt des Löwen überwunden hat, einen «Perser». Ein im fünften Grade Eingeweihter war der Perser, und denjenigen, der es dahin gebracht hatte, dass sein Handeln so ruhig dahinfließt, wie die Sonne ihren Lauf am Himmelsgewölbe vollendet, den nannte der Perser einen «Sonnenläufer». Und denjenigen, der aus unendlicher Liebe die Handlungen vollzieht, den nennt er «dem Grade der Väter angehörig». Der vierte Grad war der, wo der Mensch am Scheideweg stand, wo der Mensch sich herauforganisiert hat durch den physischen Körper, den ätherischen Doppelkörper, welcher der Träger der Lebenskraft ist, und den Astralkörper, der unterworfen ist den Gesetzen des Wünschens, des Begehrens, der Leidenschaften. Diese drei Körper bilden nach der theosophischen Bezeichnung die unteren Grundteile des Menschen, aus ihnen wird der niedere Mensch herausgeboren. Wer eingeweiht ist, wer diese Verbindung durchschaut hat, den bezeichnet der Perser als den «Löwen». Und hier steht der Mensch am Scheideweg. Hier verwandelt sich dasjenige, was ihn zwingt, aus der Natur heraus zu handeln, in eine freie Gabe der Liebe. Wenn er den fünften Grad der Einweihung ersteigt, wenn er sich heraufentwickelt zu dem freien Menschen, der sich gestatten darf, dasjenige, wozu er sonst gezwungen war, aus freier Liebe zu begehen. Diese Verbindung des Löwen mit der freien liebenden Wesenheit, das bezeichnet die Alchemie als das Mysterium der menschlichen Entwicklung. Dieses Mysterium hat Goethe in dem «Märchen>» dargestellt. Er hat zunächst gezeigt, wie dieser Willensmensch dasteht, wie er hineingezogen wird in die physische Welt aus höheren Sphären, aus Sphären, die er selbst nicht kennt. Goethe ist sich bewusst, dass der Mensch seiner geistigen Natur nach aus höheren Sphären abstammt, dass er hinübergeführt wird in diese Welt, die Goethe darstellt als die Welt des stofflichen, sinnlichen Daseins. Diese Welt ist das Land an dem einen Ufer des Stromes. In dem «Märchen» gibt es aber zwei Länder, ein Diesseits des Flusses und ein Jenseits desselben. Aus dem Jenseits derselben führt der unbekannte Fährmann die Menschen hinüber in das Land der Sinnenwelt; und zwischen dem Land der geistigen und der Sinnenwelt befindet sich der Fluss, das Wasser, welches beide Länder scheidet. Goethe hat mit dem Wasser dasselbe bezeichnet, was die Mystiker aller Zeiten damit bezeichnet, symbolisiert haben. Schon in der Genesis ist mit diesem Ausdruck dasselbe gemeint wie bei Goethe. Auch in dem Neuen Testament finden wir diesen Ausdruck. In dem Gespräch zum Beispiel, das Jesus mit Nikodemus führte. Da heißt es: Derjenige, welcher nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Geiste, der kann nicht eingehen in das Reich des Himmels. Den Ausdruck: «aus dem Wasser wiedergeboren» hat Goethe sehr wohl verstanden, und wie er ihn verstanden hat, das sehen wir aus dem «Gesang der Geister über den Wassern»:","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie","site_heading":null,"date":"1904-04-04","location":null,"word_count":496,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68c/1904-04-04/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}