X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie

GA 68c/1904-04-04/p018 ·1904-04-04 · original (original)
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Die Welt des Seelischen, die Welt des Begehrens und Wünschens, die Welt der Leidenschaften und Begierden, diese schiebt er hinein zwischen unseren Geist und unsere Sinne. Diese kennen weder Gutes noch Böses, unsere Sinne können nicht irren. Derjenige, welcher sich einlässt in diese Unterscheidungen, weiß, dass, wenn wir die Gesetze der Natur studieren, wir nicht von Gut und Böse sprechen können. Wenn wir die Natur im Tierreich studieren, so werden wir finden, dass wir von verderblichen und nützlichen Tieren sprechen können, aber nicht von guten und bösen. Erst dadurch, dass der Mensch eintaucht in das Wasser, in die seelische Welt, erst dadurch wird er fähig des Guten und Bösen. Diese Welt, die sich hineinlegt zwischen das Geistige und das Sinnliche, das ist der Fluss, über den der Geist hinüberkommt aus unbekannten Sphären. Herübergekommen über den Fluss ist des Menschen Innerstes, sein eigentlicher geistiger Kern, herübergekommen über den Fluss der Leidenschaften und Begierden. Und er ist, wenn er eine weitere Entwicklung nicht durchmacht, wie ein Irrlicht. Dieser Mensch, welcher unterworfen ist den Gesetzen, die in ihm leben, wenn er herübergekommen ist über den Fluss, aber noch nicht den göttlichen Funken empfangen hat, um ihn hinüberzubringen in die andere Welt; er wird daher abgesetzt von dem Fährmann, welcher die Menschen herüberbringt von dem jenseitigen Ufer über den Fluss in das Diesseits. Niemand kann hinübergeführt werden von dem Fährmann, aber jeder kann herübergebracht werden. Wir fühlen uns herübergebracht ohne unser Zutun, durch die Kräfte, die unter unserem Bewusstsein liegen, die unserem Tun, unserem Handeln vorangehen. Durch solche Kräfte fühlen wir uns hineingestellt in die Welt der Sinne, in das Diesseits. Der Fährmann, der uns herübergebracht hat aus dem jenseitigen Geistesleben, hat uns hineingesetzt in diese Welt und kann uns nicht mehr zurückbringen in jenes Land, das wir erreichen müssen, das Land der schönen Lilie. [Der Fährmann ist folglich die Kraft, durch welche man unbewusst in die Sinnenwelt kommt.]

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