X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie
Wodurch kann der Mensch seine Entwicklung erreichen? Dadurch, dass er die unteren Triebkräfte seiner Natur veredelt, dadurch, dass er dasjenige, was als sinnliche Natur in ihm lebt, läutert, dass er das hineinwirft in den Strom und damit den Strom der Leidenschaften nährt. Das ist dasjenige, was Schiller in den Ästhetischen Briefen so schön ausgesprochen hat: Nur derjenige versteht frei zu sein, der seine niedere Natur frei gemacht hat. Wenn die äußere Natur, die sinnliche Natur so veredelt ist, so von unten heraufgewachsen ist, dass sie selbst das Gute, das Schöne anstrebt, weil die Leidenschaft sie nicht mehr beirren kann, weil die äußere sinnliche Natur sie nicht mehr zu verführen vermag; wenn wir die Weisheit nicht mehr hineinwerfen, sondern mit Früchten der Erde unsere Leidenschaften bezahlen, sodass unsere Sinnlichkeit selbst von ihnen aufgenommen wird, wie die Früchte der Erde von dem Strom aufgenommen werden sollen, dann haben wir den untersten Grad der Einweihung erreicht. Das ist ausgedrückt in den Worten [des Fährmanns]:
Cite:
GA 68c/1904-04-04/p020 · edition original