X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie

GA 68c/1904-04-04/p022 ·1904-04-04 · original (original)
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Nun gehen die Irrlichter weiter in dem Diesseits, das heißt, der Mensch sucht seinen Lebensweg weiter zu verfolgen. In dem Diesseits findet er die grüne Schlange, das Symbol des menschlichen Strebens, der menschlichen Erkenntnis. Diese Schlange hat vorher ein sonderbares Erlebnis gehabt. Der Fährmann hat vorher die Goldstücke den Strom heruntergefahren und hat sie verborgen in den Klüften der Erde. Hier hat die Schlange sie gefunden. Diejenige Weisheit, die den Menschen vorwärtsbringt, ist heute noch ein verborgenes Gut, in Mysterien eingehüllt. Das wollte Goethe sagen. Daher musste der Mensch, welcher die Weisheit finden wollte, sie fern von aller menschlichen Selbstsucht suchen. Dann, wenn der Mensch sich würdig gemacht hat, sie zu empfangen, dann ist sie am Platze. Das Symbol des menschlichen Erkenntnisstrebens, die Schlange, durchdringt sich mit dem Golde. Diese selbst durchdringt sich ganz mit der Weisheit und wird nun leuchtend. So begehrt die Schlange von den Irrlichtern das, was bei dem selbstsüchtigen Menschen Veranlassung zu Stolz gibt, das, womit der dann um sich wirft und prunkt. Dieses menschliche Wissen, das im Dienste des Egoismus verderblich ist, dieses wird erreicht, wenn der Mensch, wie die Schlange, demütig am Boden dahinkriecht und sich bemüht, Stück für Stück der Wirklichkeit zu erkennen. Es kann nicht empfangen werden, wenn der Mensch stolz und aufrecht dasteht, sondern nur dann, wenn er, waagrecht wie die Schlange, horizontal am Boden haftend in Demut lebt. Da ist das Gold der Weisheit am Platze, da vermag sich der Mensch mit der Weisheit zu durchdringen. Deshalb nennen die Irrlichter die Schlange auch ihre Verwandte, indem sie sagen:

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