X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie
Jetzt erfolgt etwas, was Goethe für die ganze Menschheit ersehnt hat: Der ganze Tempel bewegt sich aus den Klüften der Erde hinauf. Über dem Fluss des Seelischen, über dem Fluss der Leidenschaften und Begierden kann der Tempel nur errichtet werden, weil die Schlange zerfallen ist in Edelsteine, welche die Pfeiler bilden für eine Brücke. Und nun können sich die Menschen von der sinnlichen Welt frei in die geistige und von der geistigen frei in die sinnliche Welt bewegen. Die Vermählung des sinnlichen Menschen mit dem Geistigen ist durch den selbstlos gewordenen Menschen, durch das Hinopfern des Selbst der Schlange erreicht, die sich als Brücke über den Fluss wölbt. Der Tempel erhebt sich also aus den Klüften der Erde und ist zugänglich allen, die über die Brücke gehen, zugänglich denjenigen mit alltäglichem Gefährt als auch den Fußgängern.
Cite:
GA 68c/1904-04-04/p039 · edition original