{"corpus":"steiner","locus":"GA 68c/1904-04-04/p052","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nicht pedantisch, indem wir jedes einzelne Wort besprechen, dürfen wir die Interpretation des Märchens aufnehmen, sondern wir müssen uns einfühlen in das, was Goethe sagen wollte und in seinen Bildern zum Ausdruck gebracht hat. Goethe hat das, was Schiller in seinen «Ästhetischen Briefen» zum Ausdruck gebracht hat: die Vermählung der Notwendigkeit mit der Freiheit, in seinem «Märchen» behandelt. Das, was Schiller in seinen Briefen zum Ausdruck zu bringen vermochte, hat Goethe nicht in abstrakte Gedanken fassen können, sondern in Märchenform gegeben. Wenn ich diese Gedanken zum Ausdruck bringen will in ihrer ganzen Lebendigkeit, dann brauche ich Bilder; Bilder, wie sie die alten Initiationspriester in den Mysterien brauchten. Nicht dadurch lehrte es der Initiationspriester, dass er seine Schüler mit abstrakten Handlungen unterwiesen hat, sondern indem er ihnen das heilige Dionysosdrama vorführte, indem er ihnen zeigte den großen Entwicklungsgang des Menschen und den wieder auferstehenden Dionysos, wie er auch zeigte dasjenige, was unsichtbar im Dionysosdrama oder im Osirisdrama vor sich ging. So wollte auch Goethe das aussprechen, was in ihm lebte, in seinem Drama in Bildern. Nicht wie gewöhnlich wollen wir also Goethes Märchen interpretieren, sondern wir wollen es so auffassen, wie die Theosophie diesen Vorgang erklärt, nämlich die Vermählung der niederen Natur des Menschen mit der höheren, als die Vermählung des physischen und ätherischen Körpers, der Lebenskraft und der Leidenschaften und Begierden mit der höheren Natur des Menschen, den drei reinen geistigen Seelenkräften, nämlich Atma, Budhi, Manas, die als die drei Könige dargestellt werden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie","site_heading":null,"date":"1904-04-04","location":null,"word_count":243,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p052","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p052"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68c/1904-04-04/p052","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}