{"corpus":"steiner","locus":"GA 68c/1904-04-04/p053","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist die Entwicklung des Menschen, die in das Zeitalter hineinreicht, wo jeder Mensch wird ein Initiierter sein können. Das hat Goethe versucht, in wahrhaft theosophischer Weise zum Ausdruck zu bringen. Wie jene Mysterienpriester ihre Weisheit in Bildern aussprachen, so hat auch Goethe in seiner Apokalypse in Bildern ausgesprochen das, was die menschliche Entwicklung darstellt, die einstmals die höchste Tat des Menschen sein wird: die Verwandlung der niederen Natur des Menschen in die höhere, die Verwandlung der niederen Metalle, der niederen Seelenkräfte in das Gold der Weisheit; die Verwandlung dessen, was in Absonderung lebt, in das reine edle Metall der Weisheit, dargestellt durch den König, der im Golde verkörpert ist. Diese menschliche Alchemie, diese spirituelle Verwandlung wollte Goethe in einer etwas anderen Weise aussprechen als in seinem «Faust». Er wollte in etwas anderer Form das aussprechen, was er in den zweiten Teil des «Faust» hineingeheimnisst hat. Goethe war im echten Sinne ein Theosoph. Er hatte begriffen, was es heißt, dass alles, was vergänglich ist, was in unseren Sinnen lebt, nur ein Gleichnis ist. Er hat aber auch begriffen, dass das, was der Mensch versucht und erstrebt, zu beschreiben unmöglich ist, dass es aber durch eine Tat erreicht wird; dass das Unzulängliche dasjenige ist, was uns am diesseitigen Ufer hält, dass es ein Ereignis werden muss, wenn der Sinn der menschlichen Entwicklung erfüllt werden soll. Deshalb hat er im «Chorus mysticus» dieses Geheimnis ebenfalls ausgedrückt und seinen zweiten Teil des «Faust» damit beschlossen. Das ist die höchste Lebenskraft des Menschen, sinnbildlich dargestellt in der schönen Lilie, mit der sich das männliche Prinzip, die Kraft des Willens, vereinigt. Das drückt er in den schönen Schlussworten des zweiten Teils seines «Faust» aus. Diese Verse sind sein mystisches Glaubensbekenntnis, und man versteht dieselben erst vollständig, wenn man sein intimeres Leben sich ausleben gesehen hat in dem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie. Als er dazu übergegangen war, schon von der Wende des 18. Jahrhunderts an hat er an dem zweiten Teil des «Faust» gearbeitet, in der Zeit, wo sich seine Natur[anschauung] verwandelt hat zum Anschauen einer höheren Welt. Es hat die tiefste Bedeutung, wenn wir verstehen können die Worte Goethes in seinem Testamente, in seinem zweiten Teil des «Faust». Als er vollendet hatte seine irdische Laufbahn, gestorben war, da fand man jenen zweiten Teil eingesiegelt in seinem Schreibtische. Dieses Buch vermachte er als ein Evangelium der Welt wie ein Testament. Und dieses Testament schließt mit seinem mystischen Bekenntnis:","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"X. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie","site_heading":null,"date":"1904-04-04","location":null,"word_count":407,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p053","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1904-04-04/p053"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68c/1904-04-04/p053","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}