{"corpus":"steiner","locus":"GA 68c/1909-12-06/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Die andere Seite der Wahrheit tritt uns entgegen, wenn wir die menschliche Arbeit ins Auge fassen. Wenn wir alles dasjenige, was wir an menschlichen Ideen im Kleinsten und im Größten verwirklichen, vor unsere Seele hinstellen, gleichgültig, ob es eine alltägliche Idee ist oder ob es die Idee eines Erfinders ist, der eine Maschine zum Beispiel erfindet, da haben wir die schallende, die produktive, die schöpferische Arbeit des Menschen im Auge. Da haben wir zuerst die Idee, dann haben wir dasjenige, was der äußere Ausdruck dieser Idee oder die Folge der Idee ist. Wir sehen dasjenige, was in uns entsteht, was noch nicht in der Welt vorgedacht ist, aus unserem Ich heraus entspringen. Wir sehen unser Innerstes heraustreten in unseren alltäglichen Verrichtungen, in den Verrichtungen, die wir bezeichnen können als die Realisierung der großen Ideen der Erfinder. Da haben wir zuerst den Gedanken, da denken wir den Gedanken nicht nach, da ist die sinnliche Erscheinung nicht zuerst da, da ist der Gedanke zuerst da, darin tritt die sinnliche Erscheinung durch unsere eigene Tat uns entgegen, da sind wir die Vordenker und da sind wir diejenigen, die nach unserem Vorgedachten selber schöpferisch in die Welt treten, da fühlen wir unser Ich nach der anderen Seite erstarken; da fühlen wir, wie die Wesenheit unseres Ichs hinausgeflossen ist, fühlen dasjenige, was wir unsere Selbstheit nennen können; wodurch wir imstande werden, dasjenige, was das Ich zuerst im Umkreis unseres Daseins draußen erlebt, verwirklicht zu sehen. Da fühlen wir jene Seite des Ichs, wo wir nicht aufgehen in etwas, was ohne das Ich da ist, sondern im Gegenteil, da fühlen wir unsere innere Aktivität, unsere Selbstheit. [Unser Ich ist in unseren Taten, unseren Werken ebenso darinnen, wie es auch zuerst in unseren Gedanken gearbeitet hat.] Als Vordenker ist das Ich so recht kultivierend seine Selbstheit; als Nachdenker ist das Ich so recht kultivierend seine Selbstlosigkeit. Und in diesen beiden Bestandteilen des gesamten Innenlebens tritt uns die Wahrheit innerhalb unseres Wirkens und Strebens in der Welt entgegen als nachgedachte Wahrheit und als vorgedachte Wahrheit.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"XXXI. Die Mission der Wahrheit","site_heading":null,"date":"1909-12-06","location":null,"word_count":337,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1909-12-06/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68c/1909-12-06/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68c/1909-12-06/p018","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}