XXXI. Die Mission der Wahrheit

GA 68c/1909-12-06/p038 ·1909-12-06 · original (original)
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Goethe zeigt uns, wie dann zuletzt durch das Zusammenwirken der beiden Strömungen das wahre Heil des Menschen entsteht. Und Goethe zeigt uns auch, wie dasjenige, was er da dargestellt hat, bei ihm ein reifes Entwicklungsresultat ist. Da blickte Goethe zurück auf jene Zeit, in der er bloß einseitig die Prometheusnatur in sich selber ausgebildet hatte. 1774 hat der gewiss schon mit allen Goethe-Anlagen ausgestaltete, aber noch jugendlich unreife Goethe in seinem damaligen «Prometheus» diese einseitige Prometheus-Wahrheit als seine Überzeugung ausgesprochen, und sie strömt uns da entgegen. Und wenn wir heute mit einer gewissen Selbstbefriedigung hingewiesen finden auf diesen jugendlichen «Prometheus», als wenn er uns den ganzen Goethe gäbe, dann müssen wir sagen: Das ist nur eine einseitige Ausprägung Goethes selber. Goethe ist nicht stehen geblieben bei dem Vordenken; er fügte hinzu das seiner reifen Erkenntnis, das Nachdenken. Nein, nicht bloß das Vorgedachte, nicht bloß das, was ablehnt alle Weisheit, nicht nur das Vordenkende, das alles Nachdenkende abweist, sondern das Zusammenfließen beider allein kann die Mission der Wahrheit begründen.

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