8. Die Erziehung des Kindes vom Standpunkte der Geisteswissenschaft
Man legt heute ein viel zu großes Gewicht darauf, dass der Sinn mitwirken soll bei allem, was man dem Kinde beibringt. Man sollte aber vielmehr dafür sorgen, dass die ganze Umgebung des Kindes so eingerichtet ist, dass die äußeren Kräfte, die das Kind umgeben, weckend und Leben fördernd auf seinen Ätherleib einwirken. — Dabei erinnern wir uns an das Goethewort: Das Auge ist vom Licht für das Licht gebildet. Das Tier, das gezwungen wird, in finsteren Höhlen zu leben, verliert allmählich das Augenlicht, es wird blind. Das Licht wirkt schaffend und gestaltend am Auge. Die Naturkräfte sind organschaffend, sie bilden die Organe heran. Der Mensch ist, wenn er geboren wird, noch nicht fertig. Ein jeder Lichtstrahl wirkt weiter bildend am Auge. Und so kann auch, was in des Kindes Umgebung sich befindet, Leben erweckend oder Leben verkümmernd auf des Kind wirken.
Cite:
GA 68d/1907-01-10/p022 · edition original