8. Die Erziehung des Kindes vom Standpunkte der Geisteswissenschaft
Es handelt sich darum, dass Klang und Farbe vom siebenten Jahre an aus dem Sinnlichen ins Sinnige verwandelt werden. Unsere materialistische Zeit ist nicht gerade geeignet dafür. Sie ist nicht geneigt, sich sinnbildlich verständlich zu machen. Will man zum Beispiel das Hervorgehen des Schmetterlings aus der Puppe als ein Sinnbild für das Hervorgehen der Seele aus dem Leibe zeigen, so muss man auch selbst an ein solches Gleichnis als Wirklichkeit glauben. Wer tut das heute noch wirklich? Man sagt sich wohl halb mitleidig, das Kind mit seinem noch unentwickelten Verstand kann noch nicht begreifen, was ich meine, also will ich es ihm sinnbildlich klarmachen. aber wenn man sich in den Geist der Dinge vertieft, dann ist ein solches Gleichnis ein tiefes Mysterium, dann ist es ein tief geheimnisvoller Vorgang; dann ist das, was auf einem untergeordneten Gebiete uns die Puppe und der Schmetterling zeigen, derselbe Vorgang, der auf einer höheren Stufe sich wiederholt als das Hervorgehen der Seele aus dem Leibe.
Cite:
GA 68d/1907-01-10/p033 · edition original