8. Die Erziehung des Kindes vom Standpunkte der Geisteswissenschaft
Im Ganzen und im Einzelnen sollte gezeigt werden, wie man durch ein tieferes Erkennen der Entwicklung der einzelnen Glieder des Menschen zum richtigen Erzieher werden kann. Wenn jemand sagt, davon könne man nichts wissen, dann muss geantwortet werden: Man probiere es einmal, in diesem Sinne Menschen zu erziehen, im Sinne dieser drei Geburten, dann wird man schon im Leben und in der Praxis die Beweise für die theosophischen Wahrheiten finden. Es kommt nicht darauf an, dass man Theorien oder Grundsätze aufstellt, sondern [darauf], dass man sie vom Kopfe bis in die Hand hineinführt. Die Grundsätze sind gut, die sich segensreich erweisen im Leben, die, wenn sie angewendet werden im Leben, ihren Einfluss auf die Kultur in fördernder Weise bezeugen. Was die Kultur fördert, was Leben erweckt, das ist wahr. Wenn die Lehren, die sich auf das Übersinnliche beziehen, angewendet werden, wird man den Beweis für ihre Wahrheit erhalten. Man wird erkennen, dass die Theosophie etwas eminent Praktisches ist, dass sie nicht lebensfremd und lebensfern ist, sondern lebensfreudig und Leben erweckend, dass sie dem Menschen Kraft und Sicherheit gibt. Und worauf kommt es mehr an als darauf bei der Erziehung des Kindes? Die Erziehung soll ins Sichtbare, ins Sinnliche herunterbringen, was im Übersinnlichen verborgen liegt. Da liegt der Schlüssel zu dem, was in der Kindheit des Menschen vor sich geht. Die ganze Bedeutung der Erziehungsfrage ergibt sich, wenn wir uns klar sind, dass jeder Mensch ein Rätsel ist, das wir als Erzieher durch ein wirkliches Vertiefen in sein Inneres lösen müssen.
Cite:
GA 68d/1907-01-10/p037 · edition original