10. Das Wesen des Menschen
Wenn Sie den physischen Leib ansehen — er schwindet im Tode, er zerschellt in tausend und abertausend Bestandteile, die Sie im Stoffkreise verschwinden sehen. Da taucht ganz von selbst die Frage auf: Ist denn mit diesem Hinschwinden des Menschen alles das, was er bedeutet in der Welt, erschöpft? Und wenn wir unser Kulturleben ansehen, wenn wir sehen, wie der Mensch schafft und wirkt in der Welt, wenn wir sehen, wie große Meister der Kunst, wie Michelangelo, Raffael ihre Meisterwerke schaffen, wie sie ins Physische, Körperliche, Irdische eine [Fülle] geistiger Kräfte umwandeln und an die Wand zaubern, wenn wir das alles sehen und wissen, dass diese Werke der großen Genies, an denen die Menschen sich erfreuen und erheben, auch einst vergehen, zerstieben werden, sodass keines Menschen Auge sie mehr sehen, keines Menschen Seele sich [mehr daran] erfreuen wird, dann tritt von Neuem diese Frage vor unsere Seele.
Cite:
GA 68d/1907-07-02/p006 · edition original