10. Das Wesen des Menschen
Aber solch ein Mensch hat auch die vier Glieder, von denen ich Ihnen sprach. Wodurch unterscheidet sich nun der europäische Durchschnittsmensch von einem solchen «Wilden»? Der sagt sich von manchen Trieben: Ihnen darfst du folgen, von anderen verbietet er sich dies. Er hat moralische Begriffe, die ihm das eine verbieten und das andere gestatten; er hat seine Triebe und Leidenschaften geläutert und gereinigt, er hat, wenn er ein wenig höher steht, gewisse Ideale, denen er nachstrebt. Wodurch unterscheidet er sich von dem «Wilden»? Er hat seinen Astralkörper bearbeitet, den Körper, der der Träger ist von Begierden und Leidenschaften. Das hat der «Wilde» noch nicht getan, er hat noch keine Arbeit darauf verwendet, er lebt noch in seinen Trieben und Lüsten, und der Teil seiner Leiber, das Ich, lebt in ihm, wie es ihm von den Göttern überliefert ist. Je höher der Mensch steht, desto mehr arbeitet dieses göttliche Erbteil in ihm und wandelt die anderen Leiber um. Der Idealist hat noch mehr umgewandelt an sich, er hat noch mehr unter die Herrschaft des Ich gebracht; und derjenige Mensch, der seine Triebe und Leidenschaften so in der Hand hat, dass nichts geschieht, was er nicht selbst als das Richtige und Gute erkennt, der sich nie mehr fortreißen lässt von seinen Trieben und Begierden, der hat seinen Astralleib ganz geläutert und veredelt.
Cite:
GA 68d/1907-07-02/p033 · edition original