10. Das Wesen des Menschen
Im menschlichen Leben gibt es Momente, die diesem ähnlich sind. Wenn der Mensch einen starken Schrecken erhält, wenn er zum Beispiel bei einer Bergpartie einen Absturz erleidet oder in Gefahr des Ertrinkens ist, dann zieht auch wohl sein ganzes Leben wie ein Tableau an ihm vorbei, und selbst materialistisch Denkende haben das erlebt und bekundet, wie zum Beispiel der Kriminalanthropologe Benedikt in Wien. Worin liegt die Ursache für dies Erlebnis? Sie alle kennen das Gefühl, was wir haben, wenn ein Glied eingeschlafen ist, dies prickelnde Gefühl, Kinder sagen wohl: Es ist wie Selterswasser in meinen Fingern. Als Hellseher sieht man, dass in einem solchen eingeschlafenen Gliede der Ätherleib sich gelockert hat, sodass die Ätherhand bei einer eingeschlafenen Hand zum Beispiel seitwärts heraushängt, und ebenso ist es mit dem Kopf der Fall, wenn der Mensch sich in Hypnose befindet. Erhält der Mensch nun einen solchen Schreck, dann lockert sich für einen kurzen Moment der ganze Ätherleib. Weil nun der Ätherleib der Träger des Gedächtnisses ist und sonst fortwährend im physischen Leibe drinsteckt, kann er sich im gewöhnlichen Leben nur so viel erinnern, was ihm der physische Leib erlaubt. Doch in solchen Momenten, wo der Ätherleib frei wird, also der physische Leib kein Hindernis mehr ist, da tritt dann die Erinnerung voll und ganz auf.
Cite:
GA 68d/1907-07-02/p050 · edition original