16. Mann, Weib und Kind im Lichte der Geisteswissenschaft
Alle Zeiten haben sich mit der Frage beschäftigt: Was hat das Kind von den Eltern, welches ist das Verhältnis der Eltern zum Kinde, und welches Verhältnis zur neuen Generation überhaupt? In unserer Zeit beschäftigt besonders die Frage: Wie gehen elterliche Eigenschaften auf das Kind über, und inwieweit werden die Eigenschaften der Eltern zu einer Art Schicksal für die Kinder? In der Kunst zeigen sich uns auch diese Fragen, so in Ibsens «Gespenster», wo Ererbtes von den Eltern sich in so furchtbarem Schicksale am dem Kinde vollzieht. Es erinnert das an das Schicksal in den Tragödien der Griechen, nur ins Materialistische gezogen. Das alles zeigt, dass diese Frage ein tiefes Interesse hervorgerufen hat. Ein Urteil hierüber hat nur der, welcher den ganzen Menschen betrachtet in seiner viergliedrigen Wesenheit. Unsere Zeit sieht ja nur den physischen Leib. In zweifacher Weise aber ist die Frage zu betrachten: einmal, in welcher Form der Anteil des Kindes zu betrachten, und dann, inwieweit das Elternpaar betätigt ist an dem, was aus dem Kinde wirkt.
Cite:
GA 68d/1908-01-11/p004 · edition original