16. Mann, Weib und Kind im Lichte der Geisteswissenschaft
Ähnlich ist es mit dem Pflanzenkeim, der in die Erde versenkt wird. Die Idee, der Gedanke, enthält die ganze Form, aber niemals würde sie erstanden sein ohne diese Muttererde; ebenso entsteht nichts, wenn nicht der Keim hineinkommt. Ein Fleck Erde gibt Gelegenheit zur Entfaltung pflanzlicher Keime, dass aber Bohnenpflanze oder Erbsenpflanze daraus wird, dazu verhilft die Erde. Für die höhere Geisteswissenschaft ist es etwas Ähnliches mit des Menschen höherem Selbst. Nach der Zeit zwischen Geburt und Tod lebt der Mensch in einer anderen Welt, im Devachan. Dort bleibt er, bis er reif ist zu neuer Verkörperung. Dann muss ihm etwas gegeben werden, damit die Kraft in ihm sich materiell vollsaugen kann, und so erhält der Keim aus der geistigen Welt durch das Elternpaar seine Umhüllung. Da können wir nicht mehr sagen, dass Eltern auf das Kind vererben, als insoweit, als die Erde nur einen gewissen Anteil an der Pflanze hat.
Cite:
GA 68d/1908-01-11/p009 · edition original