{"corpus":"steiner","locus":"GA 68d/1908-01-29/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Unter den mancherlei Weltanschauungsströmungen unserer Zeit ist auch die mit dem Namen «theosophische Weltanschauung» bezeichnete. Wer sich aus Büchern, Artikeln und so weiter über Theosophie ein Urteil zu bilden versucht, der kann leicht zu einem der vielen Vorurteile kommen, die gegen die theosophische Weltanschauung heute existieren. Theosophie gilt heute für viele wie die Aufwärmung eines alten Aberglaubens, einer kindlichen Weltanschauung, wie sie für die Phantasie der Völker der Vorzeit geeignet war, wie sie aber für den aufgeklärten Menschen der Gegenwart nicht mehr passt. Andere bilden sich ein, Theosophie wolle sein etwas wie eine Art neuer Religionsstifterei, wie eine Art Sektenbildung. Da ist es nicht verwunderlich, dass die, denen es ernst ist mit dem religiösen Leben, in der Theosophie etwas Gefährliches sehen. Ein drittes Vorurteil ist das, Theosophie wolle eine morgenländische Religionsauffassung nach Europa verpflanzen. Darinnen sehen manche eine direkte Gefahr, wenn es geschehen würde. Das gehört aber zu jenen Arten der Geistesströmung, denen der heutige Vortrag gewidmet sein soll, dass man, um sie zu verstehen, sich etwas eingehender und tiefer mit ihnen befasst. Nicht als ob besondere Gelehrsamkeit zur Theosophie gehörte, aber Geduld, sich etwas eingehender mit der Sache zu befassen. Dann kommt eben ein jeder damit zurecht. Theosophie oder Geisteswissenschaft ruht auf zwei festen Säulen. Wenn man diese beiden Säulen in ihrer Bedeutung erkannt hat, dann hindert einen auch nichts mehr, um tiefer in diese Geistesströmung einzudringen. Diese eine Säule ist die, dass man erkennt: Hinter unserer physischen Welt, die für die Sinne wahrnehmbar ist, gibt es eine überphysische, eine übersinnliche, eine geistige Welt. Die zweite Säule ist die, dass der Mensch die Fähigkeit hat, einzudringen in diese geistige Welt, die übersinnliche Welt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"17. Das Wesen des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1908-01-29","location":null,"word_count":274,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-01-29/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-01-29/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/68d/1908-01-29/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage.","evidence":"Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten","evidence_translation":"Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports","evidence_source":"The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one."}}