17. Das Wesen des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft
Die heutige Wissenschaft sagt so manchmal: Es gibt für den Forscher ein Ideal; dies Ideal sei, auch das Lebendige herzustellen, laboratoriumsmäßig, aus den Teilen der leblosen Substanz. An diesem Ideal muss die heutige Wissenschaft hängen. Da fügt nun mancher hinzu, der glaubt, festzustehen auf dem Boden der Wissenschaft: Solange uns das nicht gelingen wird, solange habt ihr Theosophen gut reden von einem Ätherleib, solange wir nicht aus lebloser Eiweißsubstanz lebendige Substanz herstellen können. Wenn das aber gelingt, wird auch der Theosoph seinen Irrtum einsehen. - Es ist durchaus begreiflich, dass die heutige Wissenschaft so reden muss. Vieles könnte man gegen diesen Einwand sagen. Nur eines aber sei hier eingewendet. Man glaube nur nicht, dass die Geisteswissenschaft in Bezug auf die Frage der Herstellung eines Lebewesens aus leblosen Substanzen je auf einem anderen Standpunkt gestanden habe. Der Theosoph sagt nur: Ja, es wird die Zeit kommen, wo es für den Menschen möglich sein wird, aus leblosen Substanzen Lebendiges herzustellen. — Dennoch spricht der Theosoph vom Äther- oder Lebensleib. Für ihn ist der Äther- oder Lebensleib eine Tatsache. Trotzdem aus Leblosem einmal Lebendiges erzeugt werden kann, trotzdem ist die Tatsache wahr, dass der Äther- oder Lebensleib da ist. Er ist das erste geistige Glied des Menschen.
Cite:
GA 68d/1908-01-29/p018 · edition original