{"corpus":"steiner","locus":"GA 68d/1908-12-15","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15","ga":"68d","lecture":"1908-12-15","lecture_number":null,"title":"26. Das Geheimnis der Menschlichen Temperamente","site_heading":null,"date":"1908-12-15","location":null,"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"passage_count":39,"word_count":6705,"translation_credit":null,"witnesses":[{"lang":"de","edition":"original","is_original":true,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":39,"passage_count":39,"word_count":6705},{"lang":"en","edition":"English","is_original":false,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":39,"passage_count":39,"word_count":7111,"completeness":{"ratio":1.06,"band":"comparable","note":null}}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage.","evidence":"Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten","evidence_translation":"Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports","evidence_source":"The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one."},"passages":[{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p001","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p001","passage_number":1,"word_count":8,"text":"## GA 68d — 15 December 1908, Nuremberg"},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p002","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p002","passage_number":2,"word_count":7,"text":"### 26. 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Und was uns heute besonders interessieren soll, ist dasjenige, dass, wenn wir über des Menschen Rätsel sprechen, wir gar nicht hoffen dürfen, dieses Menschenrätsel durch eine einmalige Beantwortung gelöst zu haben; sondern wenn wir nicht theoretisch, sondern dem Leben gemäß vorgehen, so müssen wir sagen: In diesem Menschenrätsel sind im Grunde genommen ebenso viele Einzelrätsel eingeschlossen, als es Menschen in der Welt gibt."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p004","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p004","passage_number":4,"word_count":72,"text":"Jeder Mensch für sich darf innerhalb gewisser Grenzen als ein besonderes Rätsel innerhalb des großen Menschenrätsels aufgefasst werden. Und mit dieser Anschauung über des Menschen Rätsel hängt innig zusammen das, was uns heute über den Menschen beschäftigen soll: jene eigentümliche Färbung des Menschenwesens, jener Grundton der Menschenindividualität, die uns eben in dem einen Menschen so gegenübertritt, in dem andern anders, und die wir da bezeichnen mit dem Worte: das Temperament des Menschen."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p005","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p005","passage_number":5,"word_count":125,"text":"Alles dasjenige, was uns vielfach über die Verschiedenheit der menschlichen Naturen aufklären kann, umschließt gerade dieses Wort, und wir dürfen hoffen, dass, wenn wir imstande sind, nur einiges Licht auf das Geheimnis der menschlichen Temperamente zu werfen, wir damit auch gewinnen können eine Handhabe, um das Menschenrätsel in seinen verschiedensten Gestaltungen ein wenig zu lösen. Freilich dürfen wir gerade dann, wenn wir nicht allgemein theoretisch, sondern lebensvoll, individuell dieses Menschenrätsel anfassen, es da anfassen, wo es zunächst scheinbar ganz unfasslich ist, in dem so mannigfaltigen Grundton der Individualität, der als Temperament herauskommt; wenn wir dieses Menschenrätsel lebensvoll individuell da anfassen, dann dürfen wir uns nicht der großen Illusion hingeben, dass eine äußere Erkenntnis des Menschen, eine bloß sinnlich-physische Erkenntnis des Menschen uns irgendwie weiterführen könnte."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p006","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p006","passage_number":6,"word_count":125,"text":"Der Mensch ist für die geisteswissenschaftliche oder, sagen wir, theosophische Betrachtung, wie wir oftmals hier erwähnen konnten, ein sehr mannigfaltig zusammengesetztes Wesen, und wir verstehen ihn nur dann, wenn wir nicht nur die Außenseite seiner selbst, dasjenige bloß betrachten, was Augen schen und Hände tasten, was überhaupt die äußeren Sinne wahrnehmen können, was der menschliche, an das Gehirn gebundene Verstand zergliedern kann, sondern wir können nur dann hoffen, den Menschen voll zu verstehen nach und nach, wenn wir auch die übersinnlichen Glieder der menschlichen Natur ins Auge fassen. Und da es oftmals schon gesagt worden ist, welche die Glieder der menschlichen Natur sind, so brauchen sie heute nur kurz erwähnt zu werden, soweit wir das brauchen, um dann einzutreten in die Betrachtung der menschlichen Temperamente."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p007","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p007","passage_number":7,"word_count":316,"text":"Das, was Augen sehen, Hände greifen, überhaupt die physischen Organe wahrnehmen können am Menschen, das ist ja für die geisteswissenschaftliche Betrachtung nur das äußerste Glied der menschlichen Wesenheit, dasjenige Glied der menschlichen Wesenheit, das er gemeinschaftlich hat mit der ganzen um ihn herumliegenden, scheinbar leblosen mineralischen Natur. Darüber hinaus haben wir gleich ein nächstes Glied der menschlichen Wesenheit, ein Glied, das nicht äußere Sinne wahrnehmen können, das schon zu den übersinnlichen, unsichtbaren Gliedern der Natur des Menschen gehört. Und während wir dasjenige, was der Mensch mit der leblosen Natur gemeinschaftlich hat, als physischen Leib bezeichnen, bezeichnen wir dieses übersinnliche Erste als den Äther- oder Lebensleib. Ihn finden wir bei jedem belebten Wesen, bei der Pflanze, die er ebenso durchsetzt und durchorganisiert wie den Menschen, und beim Tiere. Wir reden innerhalb der Geisteswissenschaft von diesem Äther- oder Lebensleib nicht, wie der materialistische Sinn von dem Leben spricht, als ob das Leben nur wäre irgendetwas, was wie eine Wirkung hervorginge aus dem physischen Leibe und dem Zusammenwirken der Kräfte und Stoffe des physischen Leibes. Nein, für die Geisteswissenschaft ist dieser Ätherleib nicht nur etwas Selbstständiges, etwas, was das Bewusstsein des Menschen, das hinter die Sinneswelt hellseherisch schauen kann, wirklich sieht als Realität, geradeso wie sinnliche Augen den physischen Leib sehen, sondern es ist dieser Ätherleib eigentlich dasjenige, was als Erstes, als eigentlich Schöpferisches dem physischen Leibe zugrunde liegt. Der physische Leib ist nicht der Grund, sondern die Folge des Feineren, des Äther- oder Lebensleibes. So wie — auch dieses Bild wurde hier schon öfters gebraucht —, so wie für jemanden, der hineinsieht in ein Gefäß, in dem Wasser ist, sich aus diesem Wasser herausverdichten kann Eis zu Klumpen, so ist um uns herum das Geistige, und das Physische ist die Verdichtung des Geistigen. So ist innerhalb des menschlichen Ätherleibes der physische mit all seinen Stoffen und Kräften eine Verdichtung des Ätherleibes. Und so ist es bei allen Lebewesen."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p008","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p008","passage_number":8,"word_count":240,"text":"Ein drittes Glied der menschlichen Wesenheit, das er nur mit den Tieren gemeinsam hat, ist der sogenannte Astralleib, der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, Begierden, Trieben und Leidenschaften, Vorstellungen und Gedanken. Von all dem, was auf- und abwogt im Innern der Menschenseele, ist der astralische Leib der Träger, und ebenso, wie der physische Leib eine Verdichtung des Ätherleibes ist, so ist dieser herausverdichtet aus dem astralischen Leibe. Es ist gewiss ein sehr billiger Einwand, der von materialistischer Seite gemacht wird: Könnt ihr euch denn vorstellen, dass es irgendwo in der Welt frei herumfliegende Leidenschaften gibt, frei herumfliegende Gedanken, Gefühle, Lust und Leid? Müssen denn diese nicht gebunden sein an einen physischen Leib? Gewiss, wenn irgendjemand ein Gefäß mit Wasser vor sich hat und er erst dann anfängt zu sehen, wenn das Wasser sich zu Eis verdichtet hat, dann mag er das Wasser leugnen. So hat der Materialist ganz recht, wenn er sagt, für ihn ist nur Physisches da; aber derjenige, der die höheren Organe des Menschen, die Goethe als Geistesaugen bezeichnet, anerkennt, der muss auch anerkennen, dass wirklich unsere Welt nicht nur erfüllt ist mit tast- und sichtbarem Inhalt, sondern mit Wesenheiten, mit Vorgängen, die nur in durcheinanderwebenden Leidenschaften und Trieben und Begierden bestehen und die sich verdichten können zu Ätherischem und Physischem. Kurz, wir unterscheiden am Menschen sein drittes Glied, den sogenannten astralischen Leib, den Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, Begierden und Gedanken."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p009","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p009","passage_number":9,"word_count":84,"text":"Und als viertes Glied haben wir in der menschlichen Wesenheit immer anerkannt dasjenige, was umschließt jener Name des Menschen, der nur von innen heraus ertönen kann, wenn er das bezeichnen soll, worauf er eben anzuwenden ist; als viertes Glied bezeichnen wir den Träger des menschlichen Ich, des menschlichen Selbstbewusstseins. Das Ich kann nur sich selbst benennen; nur von sich aus kann es sich den Namen «Ich» geben; unmöglich kann von außen der Name «Ich» an Ihr Ohr klingen, wenn er Sie selbst bedeuten soll."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p010","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p010","passage_number":10,"word_count":111,"text":"Das sollte nur skizzenhaft andeuten, wie wir uns den Menschen als viergliedriges Wesen denken. Alle diese Glieder wirken ineinander in der mannigfaltigsten Weise. Das Ich wirkt auf den physischen, ätherischen und astralischen Leib, der Astralleib auf das Ich, den physischen und Ätherleib und so weiter, und so weiter. In einer immerwährenden Wechselwirkung sind diese vier Glieder der menschlichen Natur. Wichtig ist es, dass wir außer dieser Wechselwirkung, die immerdar für das hellseherische Bewusstsein beobachtet werden kann während des Wachens, dass wir noch ins Auge fassen jene Veränderungen, die im Zusammenhang dieser vier Glieder vorgehen können, zunächst jene Veränderungen, die tagtäglich vor sich gehen im Wechsel des wachen Tagesbewusstseins und des Schlafbewusstseins."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p011","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p011","passage_number":11,"word_count":155,"text":"Wenn der Mensch einschläft, bleiben im Bette liegen sein physischer und sein Ätherleib. Heraus gehen der Astralleib und das Ich. Des Morgens tauchen das Ich und der Astralleib wiederum ein in den Ätherleib und physischen Leib und bedienen sich der Organe, durch die die Umwelt als physische gesehen werden kann. Der Mensch ist auch in der Nacht vorhanden, auch wenn die Bewusstlosigkeit sich um ihn herum ausbreitet. Er sicht nur nichts, weil er in seinem jetzigen Entwicklungszustand in seinem Astralleib nicht geistige Ohren und Augen hat. Er muss sich der physischen Organe bedienen, und das kann er nur, wenn er untertaucht in den physischen Leib. Das ist der Wandel, den der Mensch Tag für Tag durchmacht. Noch einen anderen Wandel macht die Menschennatur durch, jenen Wandel, der sich bezeichnet durch die bedeutungsvollen Worte, die im Grunde genommen einen großen Teil des menschlichen Rätsels schon umschließen: Geburt und Tod — oder auch wohl Leben und Tod."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p012","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p012","passage_number":12,"word_count":325,"text":"Wir müssen uns auch heute wieder kurz vor die Seele rufen, was mit dem Menschen vor sich geht, wenn er durch das geheimnisvolle Tor des Todes schreitet. Da ist es nicht so, wie wenn der Mensch einschläft. Im Tode bleibt liegen des Menschen physischer Leib als Leichnam, und es trennen sich zunächst von diesem Leichnam das Ich, der Astralleib und der Ätherleib. Das, was zwischen Geburt und Tod nicht eintritt, dass der Ätherleib den physischen verlässt, das geschieht im Tode. Wir sehen schon daraus, dass der Ätherleib durch das ganze Leben hindurch, und zwar sowohl im Wachen wie im Schlafzustande, ein Kämpfer ist gegen den Zerfall des physischen Leibes. Wo der Ätherleib nicht kämpft gegen den Zerfall, da folgt der physische Leib seinen eigenen Stoffen und Kräften und zerstiebt, verwest. Das ist die eigene Natur des physischen Leibes, die er als Leichnam entfaltet. Dass er sie während des Lebens nicht entfaltet, dass er den chemisch-physikalischen Kräften nicht folgt wie im Tode, das ist dem Ätherleib zuzuschreiben, der zwischen Geburt und Tod ein treuer Kämpfer ist gegen den Zerfall des physischen Leibes. Und wenn dann der Mensch durch den Tod geschritten ist, dann kann er dadurch, dass er seinen physischen Leib abgelegt hat, mit den Früchten, die er in dem Leben zwischen Geburt und Tod geerntet hat, die er geerntet hat durch seine Erfahrungen, weiterleben in der geistigen Welt. Der Ätherleib, der sich herauszieht aus dem physischen Leibe, enthält ein getreues Abbild aller Erlebnisse zwischen Geburt und Tod, und es ist etwas wie eine Essenz, wie ein Extrakt des Ätherleibes, was wir mitnehmen in das folgende Leben nach dem Tode, in das Leben im Geist hinein. Wir nehmen von unserem Ätherleib, der nach ein paar Tagen in der Regel auch als ein zweiter Leichnam sich von uns loslöst, etwas wie einen Extrakt mit, der für alle Ewigkeit bleibt. Er enthält etwas wie einen kurzen Auszug des letzten Lebens; den nehmen wir mit in das zukünftige Leben."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p013","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p013","passage_number":13,"word_count":182,"text":"Nun haben wir allerdings noch eine Aufgabe nach dem Tode. Wir müssen eine Art von Probezeit, eine Zeit des Abgewöhnens durchmachen. Sie können sich diese Zeit am besten vorstellen, wenn Sie von einer einfachen Erwägung ausgehen, wenn Sie sich sagen: Der Astralleib des Menschen ist der Träger von Lust und Leid, von Trieben, Begierden, allen Genüssen. Nicht der physische Leib ist der Träger derselben; der gibt nur die Instrumente zum Genießen. Der Genuss selbst liegt im Astralleib. Den Astralleib nehmen Sie aber mit nach dem Tode. Er ist unmittelbar nach dem Tode gerade so, wie er im Leben war. Nehmen wir an, der Mensch sei ein Feinschmecker gewesen. Nach dem Tode hat er seinen Astralleib noch; der sehnt sich immer nach den leckeren Bissen. Es besteht aber keine Möglichkeit, diesen Genuss zu befriedigen. Er lässt sich nur befriedigen, wenn man einen Gaumen hat. Der physische Leib ist abgelegt, so lechzt der Astralleib nach dem Tode nach den Genüssen vom Leben. So ist es mit alledem, das nur durch physische Werkzeuge befriedigt werden kann. Das muss alles in einer gewissen Zeit abgewöhnt werden."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p014","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p014","passage_number":14,"word_count":109,"text":"Diese Abgewöhnzeit, in der der Mensch lernt, nichts mehr von dem haben zu wollen, was nur durch die physischen Organe befriedigt werden kann, diese Zeit bezeichnet man gewöhnlich als die Zeit der Wünsche, Kamaloka. Denn wenn der Mensch diese Zeit des Abgewöhnens durchgemacht hat, wenn er nichts mehr begehrt, was nur durch die physischen Sinne befriedigt werden kann, dann streift er den dritten Leichnam ab. Zuerst hat er abgestreift den physischen Leichnam, dann den Ätherleichnam, der sich wenige Tage nach dem physischen Tode auflöst, und dann streift er ab das Unbrauchbare vom Astralleibe. Und dann ist der Mensch jenes rein geistige Wesen, das eine Zeit rein geistigen Lebens durchmacht."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p015","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p015","passage_number":15,"word_count":193,"text":"Der Übergang von der Zeit des Abgewöhnens physischer Leidenschaften macht sich dadurch geltend, dass der Mensch zunächst als das Innerste seines Erlebens etwas hat, was man bezeichnen kann als das Gefühl der Seligkeit. Jetzt beginnt vor allen Dingen die Zeit, wo er entgegenarbeitet einem neuen Dasein, wo er beginnt, das, was er in früheren Leben gelernt hat, was er als Früchte aufgenommen hat, anzuwenden, das allmählich zu einem geistigen Urbild auszugestalten, wovon das nächste Leben ein Abbild werden kann. Schaffen ist immer mit dem Gefühl der Seligkeit verbunden. Und jenes Schaffen, in dem wir das Urbild für ein nächstes Dasein nach und nach bilden, das ist höchste Seligkeit. Ich will gar nicht davon sprechen, welche Seligkeit mit jeder geistigen Produktion verbunden ist, aber es ist schon Seligkeit, wenn nur - verzeihen Sie den Vergleich — die Henne teilnimmt an der Produktion des neuen Hühnchens. Seligkeit ist das, was ein Wesen durchzieht bei allem Hervorbringen. Seligkeit ist es daher auch, was der Mensch durchmacht, indem er frei ist von allen Schranken der physischen Welt, indem er alles zusammenbringt geistig, was dann, wenn es geistig ausgebaut ist, zu einem neuen Dasein auf dieser Erde schreitet."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p016","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p016","passage_number":16,"word_count":104,"text":"Wenn der Mensch ausgereift hat dann seinen geistigen Wesenskern, was lange dauert, dann beginnt wieder der Abstieg in die physische Welt, dann ist es so, dass der Mensch sich umgibt mit drei neuen Leibern. Je nachdem des Menschen Eigenschaften sind, gliedern sich an die Substanzen aus der astralen Welt, bildet sich sein neuer Astralleib. Diese Bildung können wir vergleichen etwa — sagen wir — damit, wenn wir ausgebreitet haben Metallspäne auf einer dünnen Platte und einen Magnet unten durchführen; diese Metallspäne gliedern sich dann in allerlei Formen an, in denen sie dann erstrahlen. So gliedert sich die Astralsubstanz beim Herabstieg um einen geistigen Wesenskern."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p017","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p017","passage_number":17,"word_count":168,"text":"Dann wird der Mensch hingeleitet zu einem Elternpaar und es bildet sich durch die Verbindung dieses geistigen Wesenskernes, der sich seine astralische Hülle angegliedert hat, mit demjenigen, was sich abspielt zwischen den Eltern, das Weitere an menschlichen Hüllen um diesen Wesenskern des Menschen aus. Im Zusammenwirken dessen, was herabsteigt mit den Eltern, gliedert sich um das Herabsteigende ein neuer Ätherleib und ein neuer physischer Leib aus, sodass wir jedes Mal, wenn wir einen Menschen eintreten sehen in ein Dasein, wir uns zu sagen haben: Dieses Menschenwesen bekommt von zwei Seiten her das, was es eigentlich ist für dieses irdische Dasein. Das innere Wesen steigt herab aus geistigen Höhen. Indem der Mensch geistig und astralisch ist, steigt er herunter aus höheren Welten. Durch dasjenige, was sich vererbt von Generation zu Generation, von den Ahnen zu den Nachkommen, gliedert sich um den Menschen das herum, was wir als äußerliche Hülle schauen, aber auch viel von demjenigen, was zum ätherischen Leib, zu dem Kämpfer gegen den Zerfall des physischen Leibes gehört."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p018","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p018","passage_number":18,"word_count":397,"text":"Und nun [fragen] wir uns, indem wir so einsehen, dass der Mensch von zwei Seiten her gebildert ist, was geschehen würde, wenn das eine oder andere Extrem besonders herrschen würde. Nehmen wir an, der Mensch würde nur einige Eigenschaften aus geistigen Höhen mitbringen, dann würde in seinem astralischen Leibe auch ein wenig reicher Inhalt sein, und es würde überwältigend wirken dasjenige, was als ätherische und physische Hülle sich um den Menschen herumgliedert. Das heißt, ein solcher Mensch, der nur einen armen Inhalt mitbringt, er würde in allen seinen Ahnen sein, eine Wiederholung sozusagen innerhalb der Vererbungslinie. Je reicher der Inhalt ist, den sich der Mensch herunterbringt, desto mehr wird dasjenige, was von den Ahnen zu dem Enkel geht, was in der Vererbungslinie an allgemeinen Ähnlichkeiten liegt, desto mehr wird es in das Individuelle verändert hineingetrieben. Menschen, die arm herunterkommen aus dem Geistigen, werden sozusagen ihrem Innern nach überwältigt von dem Äußeren, das sich um sie herumschließt durch Rasse, Stamm, Familie und Stand, sie haben diejenigen Charaktereigenschaften an sich, die ihr Volk, ihre Familie hat. Menschen, die mit einem reichen Inhalt, mit einer bedeutenden inneren Kraftentfaltung herunterkommen, die treten als scharf umrissene Individualitäten hervor, die nehmen zwar auch auf, was von den Ahnen zu den Nachkommen geht, aber die Ähnlichkeit tritt zurück gegenüber den einzelnen Zügen, die eine Folge der geistigen Entwicklung der Individualität sind. Wir können das bewahrheitet finden, wenn wir «primitive» Menschen betrachten, oder namentlich, wenn wir den geistigen Blick zurückrichten in Urzeiten der Erde. Da sehen die Menschen eines Volkes einander ähnlich. Warum sehen sie einander ähnlich? Weil die Menschen, die sich in solchen Urzeiten verkörpern, wenige verflossene Daseinsstufen durchgemacht haben, wenig erfahren haben in früheren Stufen, daher wenig herunterbringen aus dem Geistigen. Bei entwickelteren Völkern haben wir entwickeltere Stufen; da treten Menschen auf, die viele, viele Lebensläufe hinter sich haben, reiche, reiche Früchte gesogen haben aus früheren Lebensläufen und daher dasjenige, was sie als Früchte hinaufgetragen haben durch viele Leben ins Geistige, wiederum herunterbringen und sich ein individuelles Dasein gestalten. Aber jeder Mensch muss innerhalb unseres heutigen Menschheitszeitraumes sozusagen diesen Kompromiss schließen; er muss hinuntersteigen und mit körperlichen Hüllen sich umschließen, die er aus der Vererbungslinie nehmen muss. Es ist in jedem Menschen diese Zweiheit vorhanden, die zu einem Ganzen sich zusammenfügt. Auf der einen Seite ist der Mensch ähnlich dem, was herunterfließt durch die Vorfahren, auf der anderen ist er eine eigene Wesenheit."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p019","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p019","passage_number":19,"word_count":386,"text":"Gewiss wird gerade gegen solche Dinge von einem materialistischen Denken viel eingewendet. Es wird zum Beispiel gesagt: Ach, was redet Ihr da von der heruntersteigenden Menschenwesenheit; das ist ja alles vererbt! Auch die Eigenschaften des größten Genies können wir bei den Vorfahren finden. — Es gibt Leute, die nehmen den Goethe oder Leibniz oder diesen oder jenen und da forschen sie hinauf bis zu den frühesten Ahnen und finden nun die Eigenschaften, die beim Genie hervortreten, bei den Ahnen zerstreut, bei diesem eine Eigenschaft und bei jenem eine. Und so sagen uns diese Leute: Ihr könnt es ja sehen, wie das Genie bloß auf Vererbung beruht. Das Genie steht sehr selten am Anfang einer Generation, sondern gewöhnlich am Ende derselben, hat also, was ihm eigen ist, ererbt von den Ahnen. - Eine sonderbare Logik ist das! Denn wer diese Logik überdenkt, wird finden, dass sie das Gegenteil besagt von dem, was sie behauptet. Diese Logik will beweisen, dass das Genie seine Eigenschaften ererbt. Sie würde es beweisen, wenn nachgewiesen werden könnte: Hier ist ein Genie, der Sohn hat seine Eigenschaften geerbt, der Enkel wieder und so weiter. Aber das ist nicht der Fall. Das wird gerade geleugnet. Das Genie ist unfruchtbar. Es ist selten, dass man geniale Eigenschaften einfach vererben kann. Wenn das Genie am Ende einer Reihe von Geschlechtern steht, so besagt das nichts dafür, dass diese Individualität in ihrem Ganzen herunterfließt in der Reihe. Natürlich stammen der physische und der Ätherleib, die die Instrumente des menschlichen Wesenskernes sind, aus der Vererbungslinie, und dass sie die Eigenschaften zeigen, die man da oder dort zusammenlesen kann, ist nicht wunderbar. Das ist geradeso gescheit, wie wenn man jemandem erzählt, nachdem einer ins Wasser gefallen und herausgezogen worden ist: Dieser ist nass. Das ist selbstverständlich. So ist es mit den Eigenschaften, die man ererbt. Die Logik ist falsch, die gewöhnlich angewendet wird, um irgendwie die gut begründete Tatsache zu widerlegen, dass der Mensch zusammenfließt aus den zwei Linien, wovon die eine von Generation zu Generation geht und bezeichnet wird mit den Namen Rasse, Volk, Stamm, Familie, die andere aber innerhalb der geistigen Welt liegt, wo der Mensch von Leben zu Leben schreitet und in langen Zeiträumen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eben diese neue Geburt in einer rein geistigen Welt vorbereitet. Diese zwei Linien fließen zusammen."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p020","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p020","passage_number":20,"word_count":320,"text":"Wie wird die Übereinstimmung geschaffen zwischen dem, was aus der geistigen Welt kommt, und dem, was innerhalb der Vererbungslinie liegt und beschlossen wird durch Worte wie Volk, Familie? Wie wird ein Ausgleich geschaffen? Dieser Ausgleich kann nur dadurch geschaffen werden, dass den Eigenschaften, welche den Menschen auszeichnen, insofern er einer Rasse, einem Stamm, einer Familie angehört, dass diesen andere, ihnen ähnliche entgegentreten und sich mit den von unten stammenden zusammengliedern. Würden wir nur die Automaten sein, die sich in der Vererbungslinie fortpflanzen, so würden wir sagen: So sind wir. — Wir schauen hinauf die Ahnenreihe und finden die Eigenschaften, die in unserem physischen und Ätherleibe sind, in den Vorfahren. Nicht nur die Nasen- und Stirnbildung, Haarfarbe und Physiognomie finden wir bei den Ahnen, sondern auch innere Eigenschaften, die schon hart an dasjenige heraufgehen, was man umschreiben kann mit dem Worte «moralisch>», vererben sich. Es gibt Begriffe, zum Beispiel über Empfindungen und Gefühle, die in dieser Familie oder jener Rasse oder jenem Stamme heimisch sind. Wie pflanzen sich die fort? Würde die Fortpflanzung bloß von physischem Leibe zu physischem Leibe gehen, dann würden sich die Menschen nur in Bezug auf diesen ähnlich sein. Dass sie auch in solchen Eigenschaften, welche Charaktereigenschaften eines Stammes sind, übereinstimmen, das rührt davon her, dass ein Ätherleib zu demjenigen gehört, was sich ebenfalls durch die Generationen hindurch fortsetzt. Und wie der physische Leib von unten herauf auf den Ätherleib zurückwirkt, welche Eigenschaften der physische Leib von unten herauf dem Ätherleibe aufprägt, nachdem er gebildet ist, das werden die Rasseneigentümlichkeiten. Ursprünglich ist der physische Leib entstanden wie durch eine Art Verdichtung des Ätherleibes. Wenn er aber da ist, so nimmt er die Eindrücke auf der Außenwelt. Die wirken wieder zurück auf den Ätherleib, und soweit sie zurückwirken, übertragen sie sich innerhalb der Vererbungslinie. So ist der Ätherleib eines jeden Menschen dadurch, dass Letzterer sozusagen ein Nachkomme irgendeines Ahnen ist, mit ganz bestimmten typischen, schablonenhaften, eben Rasseneigentümlichkeiten ausgestattet."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p021","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p021","passage_number":21,"word_count":134,"text":"Der geistige Wesenskern des Menschen, in dem er herunterkommt in die physische Welt, muss sich anpassen demjenigen, was ihm gerade eben in dieser physischen Welt zur Verfügung stehen kann als Hülle. Diese muss ihm etwas entgegenbringen, was den Eigenschaften des Ätherleibes verwandt ist. Mit anderen Worten: Es muss das herabkommende Ich solche Eigenschaften nun in den Ätherleib hineinprägen können, dass der Ätherleib durch diese ihm von oben, von dem Astralleib eingeprägten Eigenschaften, das Kompromiss bilden kann zwischen dem, was von unten kommt, und dem, was von oben kommt. Im Ätherleib fließen dann, wenn der Mensch in ein neues Dasein tritt, gewisse Eigenschaften zusammen, die dadurch im Ätherleib sind, dass dieser nach unten verbunden ist mit dem physischen Leib und von oben andere Eigenschaften durch ihn fließen, die ihm eingeprägt werden von dem herabkommenden Astralleib."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p022","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p022","passage_number":22,"word_count":184,"text":"Die Eigenschaften, die von dem herabkommenden Astralleib dem Ätherleibe eingeprägt werden, begründen das menschliche Temperament. Hier sitzt das Temperament. Dieses Temperament bringt sich der Mensch dadurch mit. Er hat es noch nicht, wenn er bloß den Astralleib hat; er hat es dadurch, dass dieser Astralleib, indem er herunterschwebt, sich zu verbinden hat mit dem Ätherleib, der gewisse Eigenschaften der Rasse, des Volkes hat. Da er sozusagen gewisse Eigenschaften ausbildet, die dem Unten entsprechen, aber auch den ursprünglichen, kernhaften Eigentümlichkeiten des Menschen angemessen sind, so ist das Temperament etwas, was zugleich individuell ist und was sozusagen seinen Ton hinwirft über die allgemeinen Eigenschaften, die der Mensch gemeinsam hat mit Rasse, Stamm, Familie. Würden wir nur die Eigentümlichkeiten der Rasse, des Stammes, der Familie vererben, so wären wir Durchschnittsfiguren; würden wir von oben kommen mit unserer kernhaften Wesenheit und jetzt sozusagen hineinfahren müssen in diese, dann würde das wenig stimmen. Was wir uns mitbringen, was wir uns vor Jahrtausenden vielleicht ausgebildet haben, würde wenig zusammenstimmen mit dem, was wir vorfinden. Das, was sich als Individuelles anpassen kann dem schablonenhaften Allgemeinen von unten, das ist das Temperament."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p023","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p023","passage_number":23,"word_count":61,"text":"So kommt der Mensch durch sein Temperament aus der Lage heraus, ein völlig individuelles Wesen zu sein. Denn durch sein Temperament mildert der Mensch seine volle Eigensinnigkeit eines individuellen Wesens, mattet er dieses ab. Aber er hebt zu gleicher Zeit das Schablonenhafte auf. Daher sehen wir auch, dass die Temperamente der Menschen entstehen durch Vermischung von im Grunde genommen wenigen Grundtemperamenten."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p024","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p024","passage_number":24,"word_count":216,"text":"Sie alle kennen ja diese vier Grundfarben des Temperamentes, die man bezeichnet als melancholisch, phlegmatisch, sanguinisch, cholerisch. Eigentlich gibt es nicht nur diese vier, sondern sieben Schattierungen des Temperamentes. Nur das cholerische Temperament ist im Grunde genommen einzeln für sich stehend. Das sanguinische, phlegmatische und melancholische Temperament haben alle eine aktive und eine passive Seite, sodass sie zweifach auftreten. Das gibt sieben Farben, wie sieben Farben im Regenbogen, sieben Töne in der Tonskala zu unterscheiden sind. Der achte ist nur eine Wiederholung der Prime. Aber das soll uns weniger beschäftigen. Wir wollen uns darüber klar werden, dass wir niemals eines dieser Temperamente für sich genau einem Menschen zuschreiben dürfen, sondern jeder Mensch ist aus allen diesen Temperamenten gemischt; nur das, was hervorsticht von den vieren, lässt ihn melancholisch oder phlegmatisch oder sanguinisch erscheinen, und je nachdem bezeichnen wir ihn als solchen oder solchen. Im Melancholiker sind die andern enthalten, nur treten sie zurück gegenüber der melancholischen Grundstimmung. Leicht könnten Sie das nachweisen, wenn Sie betrachten zum Beispiel Napoleon; der hatte gewiss ein cholerisches Temperament. Denken Sie nach, wie phlegmatisch er gewesen ist in ganz bestimmten Dingen, die ihn nicht interessiert haben. Er konnte sehr phlegmatisch sein auf gewissen Feldern. Der Mensch hat eine hervorstechende Eigenschaft, ist aber zusammengesetzt aus den vier, beziehungsweise sieben Grundfarben des Temperamentes."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p025","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p025","passage_number":25,"word_count":226,"text":"Nun fragt es sich: Wann ist der Mensch vorzugsweise ein Melancholiker, ein Phlegmatiker, ein Sanguiniker, ein Choleriker? Es wurde schon in der Einleitung gesagt, dass alle Glieder der Menschennatur wechselweise aufeinander wirken. So wirken alle höheren Glieder der Menschennatur auf den physischen Leib. Wenn der Mensch kein Ich, kein individuell geartetes Ich hätte, dann würden sein Blut und die ganze Blutzirkulation nicht so sein, wie sie sind. Der Blutkreislauf ist der Ausdruck für das Ich. Das Ich ist rein geistig, aber die Wirkung dieses Geistigen, dieses Ich, ist das Blut in seiner ganzen Zirkulation. Wie das Blut in uns zirkuliert, so ist es der Ausdruck unseres Ich. Der Ausdruck des Astralleibes ist das Nervensystem — ein Ausdruck wenigstens. Der Ausdruck des Ätherleibes ist das Drüsensystem. Nur diejenige Wesenheit kann ein Drüsensystem haben, die durchzogen ist von einem Ätherleibe; denn der Ätherleib durchsetzt den physischen Leib mit dem Drüsensystem, das notwendig ist für das ganze Leben, für die Ernährung und Fortpflanzung. Denken und empfinden kann nur ein Wesen, das einen Astralleib hat; denn ein Astralleib durchsetzt den physischen mit einem Nervensystem. Und nur ein Wesen, das ein Ich ist, kann den Blutkreislauf haben; denn der ist der physische Ausdruck des Ich. So haben wir, wie in den physischen Leib hineinwirkt jedes Glied, das wir zu den höheren Gliedern zählen. Aber umgekehrt wirkt der physische Leib wieder zurück."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p026","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p026","passage_number":26,"word_count":233,"text":"Von den Temperamenten haben wir gesehen, dass sie im Ätherleib ihren besonderen Ausdruck haben. Durch diesen Ausgleich, der da geschieht zwischen dem, was von oben beim Herunterstieg des Menschen hineingeprägt wird in den Ätherleib, und dem, was von unten an bestimmten Eigenschaften in den Ätherleib hineinkommt, entsteht das Temperament. Wenn nun der Mensch einen so gearteten physischen Leib in einer bestimmten Inkarnation hat, dass dieser physische Leib einen stärkeren Eindruck auf den Ätherleib macht als der Astralleib und das Ich, wenn der überwiegende Einfluss vom physischen Leib ausgeht, dann bildet sich im Menschen das, was man das melancholische Temperament nennt. Durch die Eigenart, wie der heruntergehende Astralleib wirkt, weil er sozusagen nicht vollständig Herr wird über die Gesetze des physischen Körpers, wirkt dieser physische Leib mit all seiner Schwere auf den Ätherleib zurück, und dadurch entsteht das melancholische Temperament. Insbesondere muss es ja bei dem Menschen dasjenige im physischen Leibe sein, was das physische Instrument des Denkens, des Geisteslebens überhaupt ist, was da zurückwirkt im melancholischen Temperament auf den Ätherleib, auf die ganzen Lebensverhältnisse des Menschen. Daher wird derjenige, der sozusagen durch seinen Astralleib und sein Ich nicht Herr wird über das physische Gehirn, über das, was sonst physisches Instrument für die Gedanken ist, er wird unter der Gewalt seiner Gedanken stehen. Dazu zwingt der physische Leib den Ätherleib, dass der Mensch nicht Herr wird über seine Gedanken, sondern von diesen beherrscht wird."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p027","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p027","passage_number":27,"word_count":125,"text":"Das ist dasjenige, was das Grüblerische des Melancholikers begründet. Der schleppt sich hinter seinen Gedankenmassen, hinter seinen Gefühlsmassen, die immer wieder eintreten, einher, weil der physische Leib den vorwiegenden Einfluss auf den Ätherleib hat. Und überall da, wo überhaupt der physische Leib einen vorwiegenden, das heißt, zu großen Einfluss auf den Menschen hat, wo sich dessen Leben so erweist, dass er nicht voll beherrscht werden kann von den höheren Gliedern, da zeigen sich recht die Folgeerscheinungen, auch dann, wenn sie krankhaft werden. Es ist nur die Folge davon, dass die höheren Glieder der menschlichen Natur nicht ihre volle Herrschaft üben können über den physischen Leib, wenn zum Beispiel epileptische Anfälle, wenn nervöse Kopfschmerzen auftreten. Sobald der melancholische Charakter hinüberneigt ins Pathologische, können solche Dinge auftreten."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p028","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p028","passage_number":28,"word_count":236,"text":"Daher bezeichnete man in Griechenland, wo man noch hellseherische Gefühle hatte, denjenigen Menschen, bei dem der dichteste Teil den vorwiegendsten Einfluss ausübte, als Melancholiker. Der physische Leib ist es, den der Mensch gemeinsam hat mit den mineralischen Wesenheiten, die man zusammenfasst unter dem Begriff der Erde, und man wusste noch in Griechenland, was man heute nicht mehr weiß, dass der menschliche physische Leib durch seine verschiedenen Säfte gebildet wird, und in diesen sah man nicht bloß etwas Physisches, man untersuchte sie nicht bloß in der chemischen Retorte, sondern wusste, dass es allem Geistigen zugrunde liegt, und man bezeichnete daher dieses Temperament, bei dem der physische Körper den überwiegenden Einfluss ausübt, als schwarzes — melas —, als das melancholische Temperament, weil man die Säfteabsonderung im Menschen erblickte, die bewirkt die Zähigkeit des physischen Leibes, wodurch dieser sich entzieht den normalen Einflüssen der höheren Glieder und wodurch er daher den Menschen zu einem finstern, in sich hineinschauenden Wesen macht. Denn durch seine höheren Glieder gehört der Mensch einer viel größeren Allgemeinheit an. Durch seinen Äther- und Astralleib und sein Ich würde er sich fühlen als dem großen Ganzen, dem großen Welten-Ich, der Gottheit angehörig. Dasjenige, was des Menschen geistige Wesensglieder sind, ist gerade zu dem Persönlichen zusammengefügt dadurch, dass der Mensch in die Haut des physischen Leibes eingeschlossen ist. Daher kommt der Melancholiker auch so schwer von seinem physischen Einzeldasein ab, weil dieses Physische den überwiegenden Einfluss ausübt."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p029","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p029","passage_number":29,"word_count":169,"text":"Wenn nun der Ätherleib weder von dem physischen Leib noch von dem Astralleib und Ich stark beeinflusst wird, wenn wenig ausgeprägt sind die Impulse der Familie, die Eigentümlichkeiten der Rasse, wenn von oben und unten nicht stark auf den Ätherleib gewirkt wird, wenn er sozusagen neutral bleibt, dann entsteht das phlegmatische Temperament. Das Phlegma ist das Ausgeglichene im Ätherleib. Da wirkt weder der Physische noch der astralische Leib und das Ich besonders stark. Der Mensch hat in diesem Falle das ausgeglichene Phlegma der in sich durcheinanderwogenden Kräfte seines Ätherleibes. Das können Sie hineinverfolgen bis in die physische Leibesgestaltung, die Sie nach außen projiziert sehen. Sie können sehen, wie beim Phlegmatiker dadurch, dass der Ätherleib weder von oben noch von unten starke Einflüsse erhält, das, was Überschuss an Leben ist, sich absetzt im Fett. Sie können in allen Einzelheiten die Folgen sehen dessen, was wir im Geistigen sehen müssen; das Physische ist in allen Einzelheiten ein Ausdruck des Geistigen. Wir können das Physische nur verstehen, wenn wir das Geistige begreifen."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p030","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p030","passage_number":30,"word_count":249,"text":"Wenn nun die Dinge so verteilt sind, dass der Astralleib überwiegend auf den Ätherleib wirkt, seine Eindrücke besonders stark macht auf diesen, das unterdrückt, was vom physischen Leib heraufkommt, dann entsteht das, was wir das sanguinische Temperament nennen. Da ist der Astralleib, der in sich bewegliche Astralleib tätig; die durcheinanderwogenden Gefühle und Empfindungen regen und rühren sich lebendig. Der ist hingegeben allen Eindrücken der Außenwelt. Wir werden gleich hören, dass es das Ich ist, welches die auf- und abwogenden Bilder, die im Astralleib entstehen und die ihr physisches Instrument im Nervensystem haben, eindämmt geistig, und das Blut, der Ausdruck des Ich, das sie eindämmt physisch. In der Tat wirken Blut- und Nervensystem ganz merkwürdig zusammen. Denken Sie sich, das Blut schwächt sich ab. Was geschieht? Da treten phantastische Bilder auf, Halluzinationen, Phantasiebilder, die keiner Wirklichkeit entsprechen. Die richtigen Hemmungen für diese halluzinativen Kräfte und Phantasiekräfte bilden physisch das Blut und geistig das Ich. Beim Sanguiniker ist nichts Krankhaftes vorhanden, aber er ist deshalb allen Eindrücken der Außenwelt hingegeben, weil das eigentliche Ich noch nicht stark genug wirkt. Was stark wirkt, ist der Astralleib und das Nervensystem. Daher ist der Sanguiniker jedem Eindruck hingegeben; daher ist der Sanguiniker selbst beweglich, weil sein Astralleib beweglich ist. Sehen Sie sich den sanguinischen Gang des sanguinischen Kindes an, wie es hüpft, wie das und jenes es interessiert. Würde das nicht der Fall sein, dass dieses und jenes abwechselnd das Kind interessiert, dann müssten die Eindrücke reguliert werden durch das Ich und das Blut."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p031","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p031","passage_number":31,"word_count":57,"text":"Das ist beim Choleriker der Fall. Wenn das Ich und sein Blut tätig sind, überwiegend tätig sind, und auf den Ätherleib wirken, dann begründet das das cholerische Temperament, das nach der anderen Seite zu weit geht, das nicht von Bild zu Bild eilt, sondern gerade eindämmende, den Wechsel eindämmende Kräfte ausbildet. Diese Kräfte sind bei ihm da."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p032","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p032","passage_number":32,"word_count":78,"text":"So sehen wir, wie wir die verschiedenen Schattierungen des Temperamentes, die bewirkt werden durch den Einschlag dessen, was von oben und unten kommt, verstehen lernen. Überwiegt die Einwirkung des physischen Leibes auf den Ätherleib, so ergibt das das melancholische, ist der Ätherleib neutral, so das phlegmatische Temperament. Ist insbesondere der Astralleib innerlich tätig, so haben wir den Sanguiniker, und ist es das Ich, dem vorzugsweise das Herrenrecht überwiesen ist in der menschlichen Individualität, dann bewirkt das den Choleriker."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p033","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p033","passage_number":33,"word_count":143,"text":"Alle diese Dinge können Sie, wenn Sie sie im Geistigen begriffen haben, auch im Physischen ausgeprägt finden. Denken Sie sich die Choleriker, die Leute, bei denen das Ich ausgeprägt ist; sie dämmen den astralischen Leib ein. Und nun ist dieser der ursprüngliche Bildner des physischen Leibes. Der Astralleib hat das Bedürfnis, die Sehnsucht, den physischen Körper so schlank als möglich zu machen, so mannigfaltig auszubilden als möglich. Bei den Cholerikern wirkt das Ich entgegen und dämmt so den Wuchs zurück. Sehen Sie sich nun bei den Cholerikern um, die werden Ihnen den zurückgedämmten Wuchs des physischen Körpers zeigen. Ich möchte Sie auf das Bild eines Fichte aufmerksam machen, der Choleriker war; der hatte genau diesen Ausdruck im Physischen; und an Napoleon brauche ich nur zu erinnern, an den Ausdruck der kleinen, gedrungenen Gestalt. Auch da haben Sie den zurückgehaltenen Wuchs zum Ausdruck gebracht."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p034","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p034","passage_number":34,"word_count":257,"text":"Insbesondere zeigen sich die Eigenheiten des Temperamentes eben gerade in demjenigen, was der Mensch durch seine Individualität geben kann, entgegengeben kann demjenigen, was allgemein typisch ihn überkommt. Sehen Sie, wie der Mensch aus diesen zwei Strömungen zusammenfließt. Der Mensch hat fest geprägte Formen an sich; das, was dauernd, starr im Gesichtsausdruck ist, das vererbt sich. Was beweglich ist, wird zum Ausdruck des Individuellen, das vom Geistigen herunterkommt. Da hinein, in das Bewegliche legt sich das Temperament. Die Gesichtszüge können Ausdruck des Starren, Vererbten sein; den Blick hat der Mensch von seiner Individualität heraus. Der Blick ist der Ausdruck des Temperamentes: der stechende der des cholerischen, der unruhige der des sanguinischen, der zurückgehaltene der des melancholischen und der matte der des phlegmatischen. Sehen Sie sich meinetwegen die Gestalt der Füße an. Wer Kenner wäre, würde angeben können: Eine solche Rasse hat diese Fußform, eine andere jene. Aber beim Gang ist das anders. In dem haben wir einen individuellen Ausdruck. Der Gang zeigt höchstens in seinen Grundformen den Rassencharakter, sonst aber kommt das Individuelle hinein. Daher ist der Gang etwas wie die Vermittlung des Individuellen und des Allgemeinen. Sie können sehen den hüpfenden Gang des Sanguinikers, den festen des Cholerikers, den schweren Schritt des Melancholikers, den der schwere physische Leib bewirkt mit seinem überwiegenden Einfluss auf den Ätherleib, und Sie können sehen den lässigen Gang beim Phlegmatiker. In all den Eigenschaften, wo das Individuelle hineinspielt, zeigt sich, was halb individuell ist, weil es sich ausgleichen muss mit dem, was allgemein rassenhaft ist im Menschen; da spielt hinein das Temperament."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p035","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p035","passage_number":35,"word_count":278,"text":"Wenn wir nun verstehen also dieses Geheimnis des Temperamentes und wie es wirkt, dann werden wir uns auf der einen Seite sagen: Oh, gerade an solchen feinen Eigentümlichkeiten des Menschen zeigt sich uns, wie wir nur den Menschen verstehen können, wenn wir ihn nicht nur dem physischen Leibe nach auffassen, sondern seiner ganzen Wesenheit nach. Und es zeigt sich uns auf der anderen Seite auch, wie notwendig es da ist, alles dies zu wissen, wo wir an dem Menschen arbeiten, indem wir seine Entwicklung fördern wollen. Wir wissen ja aus anderen Vorträgen, dass bis zum siebenten Lebensjahre des Menschen physischer Leib zur Ausprägung kommt, von da ab bis zum vierzehnten der Ätherleib, und dann der Astralleib und das Ich. So gliedern sich die einzelnen Teile ineinander. Da sehen wir daher, wie wir das Richtige nur erfassen können, wenn wir an der eigentümlichen Art der chemischen Zusammensetzung — sozusagen — der Temperamente etwas erlauschen von der eigenartigen Prägung des sich entwickelnden Menschen. Nur so können wir als Erzieher etwa, oder Ratgeber, die Menschennatur heranerziehen, wenn wir diese eigenartige, gleichsam chemische Zusammensetzung begreifen, die durch die vier Temperamente uns entgegentritt. Wahrhaft, wie jeder Mensch aus vier Gliedern zusammengesetzt ist, aus dem physischen, Äther- und Astralleib und Ich, so mischen sich die Einflüsse dieser vier und zeigen sich uns in allen möglichen Nuancen, die zurückzuführen sind auf diese vier beziehungsweise sieben Temperamente. Und jetzt sehen wir - weil eine so vielfache Mischung sein kann —, wie jeder einzelne Mensch ein Rätsel sein kann, und wie nur dann, wenn wir den Menschen lebensvoll erfassen, wir ihn begreifen können. Wenn wir jeden als Rätsel empfinden, dann stehen wir ihm erst wahrhaft richtig gegenüber."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p036","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p036","passage_number":36,"word_count":270,"text":"Das Temperament ist nichts Theoretisches, sondern etwas, was von Mensch zu Mensch wirkt. Wir werden nicht nur enträtseln wollen den Menschen mit dem Verstand, sondern wir werden den ganzen Menschen hinnehmen und als Rätsel ihn von uns empfinden lassen. Dann treten wir mit der vollen Achtung und Liebe dem Menschen entgegen, wenn wir seine individuelle Natur so empfinden, dass er uns zuletzt allerdings wie ein Rätsel erscheint, das wir staunend bewundern, das wir aber in unserer Empfindung, in dem, wie wir jedem Einzelnen entgegentreten durch unsere Achtung und Liebe, durch unsere Wertschätzung erfassen. Oh, es gibt auch andere Rätsel als nur solche, die man mit dem Verstande löst. Die Menschen sind alle Rätsel, und sie werden nicht bloß mit dem Verstande gelöst, sondern die Art, wie wir sie schätzen, ehren und achten, wie wir ihnen mit unseren Gefühlen entgegenkommen und wie wir für sie handeln, das ist auch eine Art von Rätsellösung, und wir werden uns diese Art angewöhnen, wenn wir fühlen lernen, wie sich Individuelles mit Allgemeinem durch sein Zwischending, das Temperament, mischt. Wahrhaft, es ist so, dass wir zwei Ströme im Menschenwesen zusammenfließen sehen, wenn der Mensch dieses Erdendasein betritt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, dass diese Ströme zusammenwirken müssen, um das, was als Frucht durch dieses geschehen kann, für ein folgendes Leben mitnehmen, in einer neuen Verkörperung auszuleben. Es ist im Menschen ein Wechselndes und ein Ewiges. Der ewige Kern steigt von Geisteswelt zu Geisteswelt; aber das, was wechselnd ist, ist nicht unnötig erlebt. Im Ausgleich zwischen Temperament und Rassencharakter schaffen wir aus unserem Ätherleib heraus die Früchte, die wir mitnehmen durch unser ganzes folgendes Leben."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p037","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p037","passage_number":37,"word_count":49,"text":"Und so ist es auch für dieses Gebiet durchaus wahr, dass Freiheit gilt neben der Notwendigkeit, dass wir zwar ins Leben eintreten durch das Zusammenfließen der beiden Ströme und notwendige Gesetzmäßigkeit uns ausprägt, dass aber auch nichts vernichtet wird, was wir selbst ausprägen innerhalb unserer Individualität und dem Allgemeinen."},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p038","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p038","passage_number":38,"word_count":71,"text":"Freiheit und Notwendigkeit ist eben so schön, das eine wie das andere, ausgesprochen in dem Goethe’schen Wort - wenn wir es nur ganz verstehen —, das uns sagen soll, wie das Gesetz durch die Menschennatur durchgeht; wenn wir sehen, wie zusammenwirken die Temperamente in ihrer chemischen Mischung, dann finden wir insbesondere in diesem Geheimnis des menschlichen Temperamentes bewahrheitet das, was im Symbolum Goethe so schön sagt und womit wir schließen wollen:"},{"locus":"GA 68d/1908-12-15/p039","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p039","passage_number":39,"word_count":65,"text":"> Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,  \n> Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,  \n> Bist alsobald und fort und fort gediehen  \n> Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.  \n> So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen!  \n> So sagten schon Sibyllen, so Propheten,  \n> Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt  \n> Geprägte Form, die lebend sich entwickelt."}]}