26. Das Geheimnis der Menschlichen Temperamente

GA 68d/1908-12-15/p019 ·1908-12-15 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten» (Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one.

Gewiss wird gerade gegen solche Dinge von einem materialistischen Denken viel eingewendet. Es wird zum Beispiel gesagt: Ach, was redet Ihr da von der heruntersteigenden Menschenwesenheit; das ist ja alles vererbt! Auch die Eigenschaften des größten Genies können wir bei den Vorfahren finden. — Es gibt Leute, die nehmen den Goethe oder Leibniz oder diesen oder jenen und da forschen sie hinauf bis zu den frühesten Ahnen und finden nun die Eigenschaften, die beim Genie hervortreten, bei den Ahnen zerstreut, bei diesem eine Eigenschaft und bei jenem eine. Und so sagen uns diese Leute: Ihr könnt es ja sehen, wie das Genie bloß auf Vererbung beruht. Das Genie steht sehr selten am Anfang einer Generation, sondern gewöhnlich am Ende derselben, hat also, was ihm eigen ist, ererbt von den Ahnen. - Eine sonderbare Logik ist das! Denn wer diese Logik überdenkt, wird finden, dass sie das Gegenteil besagt von dem, was sie behauptet. Diese Logik will beweisen, dass das Genie seine Eigenschaften ererbt. Sie würde es beweisen, wenn nachgewiesen werden könnte: Hier ist ein Genie, der Sohn hat seine Eigenschaften geerbt, der Enkel wieder und so weiter. Aber das ist nicht der Fall. Das wird gerade geleugnet. Das Genie ist unfruchtbar. Es ist selten, dass man geniale Eigenschaften einfach vererben kann. Wenn das Genie am Ende einer Reihe von Geschlechtern steht, so besagt das nichts dafür, dass diese Individualität in ihrem Ganzen herunterfließt in der Reihe. Natürlich stammen der physische und der Ätherleib, die die Instrumente des menschlichen Wesenskernes sind, aus der Vererbungslinie, und dass sie die Eigenschaften zeigen, die man da oder dort zusammenlesen kann, ist nicht wunderbar. Das ist geradeso gescheit, wie wenn man jemandem erzählt, nachdem einer ins Wasser gefallen und herausgezogen worden ist: Dieser ist nass. Das ist selbstverständlich. So ist es mit den Eigenschaften, die man ererbt. Die Logik ist falsch, die gewöhnlich angewendet wird, um irgendwie die gut begründete Tatsache zu widerlegen, dass der Mensch zusammenfließt aus den zwei Linien, wovon die eine von Generation zu Generation geht und bezeichnet wird mit den Namen Rasse, Volk, Stamm, Familie, die andere aber innerhalb der geistigen Welt liegt, wo der Mensch von Leben zu Leben schreitet und in langen Zeiträumen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eben diese neue Geburt in einer rein geistigen Welt vorbereitet. Diese zwei Linien fließen zusammen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/68d/1908-12-15/p019.json
Cite: GA 68d/1908-12-15/p019 · edition original