26. Das Geheimnis der Menschlichen Temperamente

GA 68d/1908-12-15/p024 ·1908-12-15 · original (original)
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Sie alle kennen ja diese vier Grundfarben des Temperamentes, die man bezeichnet als melancholisch, phlegmatisch, sanguinisch, cholerisch. Eigentlich gibt es nicht nur diese vier, sondern sieben Schattierungen des Temperamentes. Nur das cholerische Temperament ist im Grunde genommen einzeln für sich stehend. Das sanguinische, phlegmatische und melancholische Temperament haben alle eine aktive und eine passive Seite, sodass sie zweifach auftreten. Das gibt sieben Farben, wie sieben Farben im Regenbogen, sieben Töne in der Tonskala zu unterscheiden sind. Der achte ist nur eine Wiederholung der Prime. Aber das soll uns weniger beschäftigen. Wir wollen uns darüber klar werden, dass wir niemals eines dieser Temperamente für sich genau einem Menschen zuschreiben dürfen, sondern jeder Mensch ist aus allen diesen Temperamenten gemischt; nur das, was hervorsticht von den vieren, lässt ihn melancholisch oder phlegmatisch oder sanguinisch erscheinen, und je nachdem bezeichnen wir ihn als solchen oder solchen. Im Melancholiker sind die andern enthalten, nur treten sie zurück gegenüber der melancholischen Grundstimmung. Leicht könnten Sie das nachweisen, wenn Sie betrachten zum Beispiel Napoleon; der hatte gewiss ein cholerisches Temperament. Denken Sie nach, wie phlegmatisch er gewesen ist in ganz bestimmten Dingen, die ihn nicht interessiert haben. Er konnte sehr phlegmatisch sein auf gewissen Feldern. Der Mensch hat eine hervorstechende Eigenschaft, ist aber zusammengesetzt aus den vier, beziehungsweise sieben Grundfarben des Temperamentes.

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