26. Das Geheimnis der Menschlichen Temperamente

GA 68d/1908-12-15/p034 ·1908-12-15 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten» (Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one.

Insbesondere zeigen sich die Eigenheiten des Temperamentes eben gerade in demjenigen, was der Mensch durch seine Individualität geben kann, entgegengeben kann demjenigen, was allgemein typisch ihn überkommt. Sehen Sie, wie der Mensch aus diesen zwei Strömungen zusammenfließt. Der Mensch hat fest geprägte Formen an sich; das, was dauernd, starr im Gesichtsausdruck ist, das vererbt sich. Was beweglich ist, wird zum Ausdruck des Individuellen, das vom Geistigen herunterkommt. Da hinein, in das Bewegliche legt sich das Temperament. Die Gesichtszüge können Ausdruck des Starren, Vererbten sein; den Blick hat der Mensch von seiner Individualität heraus. Der Blick ist der Ausdruck des Temperamentes: der stechende der des cholerischen, der unruhige der des sanguinischen, der zurückgehaltene der des melancholischen und der matte der des phlegmatischen. Sehen Sie sich meinetwegen die Gestalt der Füße an. Wer Kenner wäre, würde angeben können: Eine solche Rasse hat diese Fußform, eine andere jene. Aber beim Gang ist das anders. In dem haben wir einen individuellen Ausdruck. Der Gang zeigt höchstens in seinen Grundformen den Rassencharakter, sonst aber kommt das Individuelle hinein. Daher ist der Gang etwas wie die Vermittlung des Individuellen und des Allgemeinen. Sie können sehen den hüpfenden Gang des Sanguinikers, den festen des Cholerikers, den schweren Schritt des Melancholikers, den der schwere physische Leib bewirkt mit seinem überwiegenden Einfluss auf den Ätherleib, und Sie können sehen den lässigen Gang beim Phlegmatiker. In all den Eigenschaften, wo das Individuelle hineinspielt, zeigt sich, was halb individuell ist, weil es sich ausgleichen muss mit dem, was allgemein rassenhaft ist im Menschen; da spielt hinein das Temperament.

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