26. Das Geheimnis der Menschlichen Temperamente

GA 68d/1908-12-15/p036 ·1908-12-15 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten» (Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one.

Das Temperament ist nichts Theoretisches, sondern etwas, was von Mensch zu Mensch wirkt. Wir werden nicht nur enträtseln wollen den Menschen mit dem Verstand, sondern wir werden den ganzen Menschen hinnehmen und als Rätsel ihn von uns empfinden lassen. Dann treten wir mit der vollen Achtung und Liebe dem Menschen entgegen, wenn wir seine individuelle Natur so empfinden, dass er uns zuletzt allerdings wie ein Rätsel erscheint, das wir staunend bewundern, das wir aber in unserer Empfindung, in dem, wie wir jedem Einzelnen entgegentreten durch unsere Achtung und Liebe, durch unsere Wertschätzung erfassen. Oh, es gibt auch andere Rätsel als nur solche, die man mit dem Verstande löst. Die Menschen sind alle Rätsel, und sie werden nicht bloß mit dem Verstande gelöst, sondern die Art, wie wir sie schätzen, ehren und achten, wie wir ihnen mit unseren Gefühlen entgegenkommen und wie wir für sie handeln, das ist auch eine Art von Rätsellösung, und wir werden uns diese Art angewöhnen, wenn wir fühlen lernen, wie sich Individuelles mit Allgemeinem durch sein Zwischending, das Temperament, mischt. Wahrhaft, es ist so, dass wir zwei Ströme im Menschenwesen zusammenfließen sehen, wenn der Mensch dieses Erdendasein betritt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, dass diese Ströme zusammenwirken müssen, um das, was als Frucht durch dieses geschehen kann, für ein folgendes Leben mitnehmen, in einer neuen Verkörperung auszuleben. Es ist im Menschen ein Wechselndes und ein Ewiges. Der ewige Kern steigt von Geisteswelt zu Geisteswelt; aber das, was wechselnd ist, ist nicht unnötig erlebt. Im Ausgleich zwischen Temperament und Rassencharakter schaffen wir aus unserem Ätherleib heraus die Früchte, die wir mitnehmen durch unser ganzes folgendes Leben.

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