28. Die Temperamente im Lichte der Geisteswissenschaft
Wir sprechen ja der Hauptsache nach von vier menschlichen Temperamenten: von dem sanguinischen, dem cholerischen, dem phlegmatischen, dem melancholischen Temperamente. Und wenn auch die Einteilung nicht ganz richtig ist, insofern wir sie auf den einzelnen Menschen anwenden, so wollen wir doch im Allgemeinen die Menschen in vier Gruppen nach ihren Temperamenten einteilen. Schon die Tatsache, dass sich das Temperament des Menschen auf der einen Seite zeigt wie zum Individuellen hingeneigt, wie etwas, das die Menschen verschieden macht, auf der anderen Seite sie wieder zu Gruppen vereinigt, beweist uns, dass das Temperament etwas sein muss, was auf der einen Seite etwas zu tun hat mit dem innersten Wesenskern des Menschen und das zusammenstehen muss mit der allgemeinen Menschennatur. Etwas, was nach zwei Seiten hinweist, ist des Menschen Temperament. Und so wird es notwendig sein, wenn wir hinter das Geheimnis kommen wollen, auf der einen Seite uns zu fragen: Inwiefern weist das Temperament hin auf dasjenige, was in der allgemeinen Menschennatur liegt? - und dann wiederum: Wie weist es hin auf den menschlichen Wesenskern, auf das eigentliche Innere des Menschen?
Cite:
GA 68d/1909-01-09/p006 · edition original