28. Die Temperamente im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 68d/1909-01-09/p012 ·1909-01-09 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Vorträge aus den Jahren 1905 bis 1909 in Form von ausführlichen Mitschriften, Zuhörernotizen und Zeitungsreferaten» (Lectures from the years 1905 to 1909 in the form of detailed transcripts, listeners' notes and newspaper reports). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 68d). The translation is the maintainer's, not a published one.

Auf die Tatsache kann auch der Geisteswissenschaftler hindeuten, und es ist auch darauf hingedeutet worden. Zum Beispiel in Musikerfamilien wird Musiktalent vererbt und so weiter, das alles soll Stütze sein für die Vererbungslinie. Man sagt wohl auch, indem man auf das Genie hinweist, selten zeige sich das Genie am Anfange einer Generation, sondern erst am Ende. Bei den eigentümlichen Fähigkeiten des Genies geht man zurück, greift da und dort heraus, bei dem einen findet man diese und bei dem anderen jene Eigenschaft und so weiter, und zeigt dann, wie sie zuletzt beim Genie zusammengeflossen sind, das am Ende der Generation entstanden ist. Was soll es denn beweisen? Doch nichts anderes als das, dass der Wesenskern des Menschen sich ausleben kann nach Maßgabe des Instrumentes des Körpers. Es ist nicht geistreicher, als wenn jemand uns besonders darauf aufmerksam machen will, dass, wenn ein Mensch ins Wasser fällt, er nass wird. Dies ist nur natürlich, dass er das von dem Element aufnimmt, in das er versetzt wird. Das, was als Beweis angeführt werden soll, das könnte viel eher als ein Beweis dafür angeschen werden, dass es sich nicht vererbt. Denn wenn sich das Genie vererbt, so müsste es sich am Anfange der Generation zeigen, dann würde man nachweisen können, dass sich das Genie vererbt, aber nicht am Ende der Generation.

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