28. Die Temperamente im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 68d/1909-01-09/p029 ·1909-01-09 · original (original)
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Wir dürfen uns nicht verleiten lassen, das Temperament deshalb, weil es eine einseitige Eigenschaft ist, in seinem Werte zu unterschätzen. Wir müssen uns klar sein, dass das Temperament zur Einseitigkeit führt, dass das Radikalste des melancholischen Temperaments im Wahnsinn, des phlegmatischen im Schwachsinn besteht, beim sanguinischen im Irrsinn, beim cholerischen in allen denjenigen Ausbrüchen krankhafter menschlicher Natur, die bis zur Tobsucht und so weiter gehen. Durch das Temperament wird viel schöne Mannigfaltigkeit bewirkt, weil sich die Gegensätze anziehen; so erzeugt sehr leicht jedoch die Vergötterung der Einseitigkeit des Temperaments Schädigung zwischen der Geburt und dem Tode. Es wird wichtig für den Erzieher, sich sagen zu können: Was tust du zum Beispiel bei einem sanguinischen Kinde? Da muss man aus der Erkenntnis des ganzen Wesens des sanguinischen Temperaments zu lernen versuchen, wie man sich zu verhalten habe. Wenn in Bezug auf andere Gesichtspunkte von der Erziehung des Kindes zu sprechen ist, so ist es auch nötig, dass einzeln vom Temperamente in der Erziehung des Kindes gesprochen wird.

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