28. Die Temperamente im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 68d/1909-01-09/p048 ·1909-01-09 · original (original)
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Das aber ist der richtige Grund, der die wahre, die fruchtbare, die echte Menschenliebe abgeben kann. Das ist der Grund, aus dem wir gewahr werden, was wir als den innersten Wesenskern in jedem einzelnen Menschen zu suchen haben. Und wenn wir uns so durchdringen mit der Geisteserkenntnis, wird sich unser soziales Leben von Mensch zu Mensch so regeln, dass ein jeder Einzelne, indem er jedem anderen gegenübertritt in der Schätzung und Achtung und Durchdringung des Rätsels «Mensch», sein Verhalten zum Menschen finden und zu regeln verstehen lernt. Nur derjenige, der von vorneherein in Abstraktionen lebt, kann von nüchternen Begriffen sprechen, wer aber nach echter Erkenntnis strebt, wird sie finden und wird den Weg finden zum andern Menschen, er wird die Lösung des Rätsels des anderen Menschen in dem eigenen Verhalten, in dem eigenen Benehmen finden. So lösen wir das individuelle Rätsel, wie wir uns selbst verhalten zu dem anderen. Wir finden den Wesenskern des anderen nur mit einer Lebensanschauung, die aus dem Geiste kommt. Geisteswissenschaft soll eine Lebenspraxis sein, ein geistiger Lebensfaktor, ganz Praxis, ganz Leben, und nicht eine graue Theorie.

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