{"corpus":"steiner","locus":"GA 69a/1911-02-24/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Versuchen wir uns zum Beispiel drei Fälle vorzustellen von solchen Taten, die im Leben bezeichnet werden als Taten des Mitleids, und suchen wir aus dem Vergleich [dieser Taten] uns nicht eine Gesamtvorstellung, sondern eine Gesamtempfindung zu bilden über das Mitleid; suchen wir jetzt alles zu vergessen, was Taten des Mitleids in unserer Welt sind, und lediglich diesen Impuls in unserer Seele tätig sein zu lassen - dann haben wir eine solche Empfindung, von der wiederum die Wurzeln ausgehen zu einem reichen, vollen Inhalt der Seele. Dadurch kommen wir allmählich dazu, jenen Moment zu erreichen, der sich vergleichen läßt mit dem Einschlummern, und der doch wieder radikal davon verschieden ist. Hinuntersinken müssen die Alltagseindrücke, alle Erlebnisse des Tages, Lust und Leid, Freude und Schmerz, auch alle Gedanken und Ideen des Tages. Derjenige, der ein Geistesforscher werden will, muß imstande sein, dadurch, daß er seinen Willen so ausgebildet hat, wie es durch solche rein innerliche Erlebnisse geschieht, auszuschließen alle äußeren Eindrücke und das herzustellen, was die Seele erlebt, wenn der Körper im Zustande der Bewußtlosigkeit ist. Dann werden Seelenzustände geschaffen, in denen ganz andere Bewußtseinszustände vorhanden sind, wo die Seele ganz anders sich zur Außenwelt stellt, wo es für die Seele wie für einen Blindgeborenen ist, der bisher keine Farben gesehen hat und dann nach einer Operation Farben und Formen sieht. In diesem hellsichtigen Zustand sieht er etwas anderes als das, was ihn sonst in der physischen Welt umgibt; er empfängt neue Eindrücke, Eindrücke aus der Geisteswelt, die unserer physisch-sinnlichen Welt zugrundeliegt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Geisteswissenschaft und Menschenzukunft","site_heading":null,"date":"1911-02-24","location":null,"word_count":250,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69a/1911-02-24/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69a/1911-02-24/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/69a/1911-02-24/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}