Geisteswissenschaft und Menschenzukunft
Ich führe Ihnen nichts Ausgedachtes an, nichts, was Sie nicht in zahlreichen Büchern lesen können. Da weisen die Vertreter der Intelligenz hin auf Buddha, auf Christus, auf Zarathustra, auf Pythagoras und so weiter und sagen: Da steht die menschliche Seele der großen Welt gegenüber, sie erfaßt in verschiedener Weise die Welt. Das Hineinreichen der übersinnlichen Erkenntnis in die Seele war verbunden mit starkem Mut zum Dasein, der aus der Seele heraus bewirkt hat das Bewußtsein unseres Zusammenhanges mit dem Geistigen der Welt. Die Intelligenz führt zwar an der Oberfläche der Dinge zum Verständnis, ist aber nicht geeignet, ein Gefühl des inneren, seelischen Mutes hervorzurufen. So sehen wir Mutlosigkeit, Kraftlosigkeit gegenüber dem Eindringen der Erkenntnis als ein Charakteristikum unserer Zeit. Unsere Zeit lobt und hebt dasjenige hervor, was die Wissenschaft leisten kann. Das tut sie mit Recht. Aber überall, wo die Leute glauben, tiefer zu denken, da sagen sie, dort hinein, wo das Warum der Dinge spricht, kommt der Mensch nicht. Weder Pythagoras, noch Christus, noch Zarathustra hätten irgend etwas zu sagen gewußt von diesem Warum. Dies beweise doch zur Genüge, daß anstelle der alten Erkenntnis und Zuversicht getreten ist eine Erkenntnis der Mutlosigkeit.
Cite:
GA 69a/1911-02-24/p022 · edition original