Ergebnisse der Geistesforschung für Lebensfragen und das Todesrätsel

GA 69a/1913-02-16/p012 ·1913-02-16 · original (original)
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Wenn dieses leere Bewußtsein im gewöhnlichen Leben eintritt, dann schläft der Mensch ein. Aber lange, geduldige Übungen bringen den Menschen dahin, [das Bewußtsein wachzuhalten], und dann handelt es sich darum, daß er sich durch Willkür jede beliebige Vorstellung in den Mittelpunkt des Bewußtseins rückt und sein Bewußtsein damit erfüllt. Die Dinge der Außenwelt sind dafür nicht gut; viel besser sind sinnbildliche Vorstellungen, die wir uns selbst machen. Es kann jeder sagen, solche Vorstellungen gegenwärtig zu haben, sei eine verrückte Sache. Aber es kommt darauf an, was sie in der Seele bewirken. Stellen wir uns beispielsweise zwei Gläser vor, das eine leer, das andere ein wenig Wasser enthaltend. Nun stellen wir uns vor, daß wir aus dem letzteren fortwährend Wasser in das erste Glas gießen und dadurch das letztere nicht leerer wird, sondern immer voller. Das ist ja eigentlich eine ganz verrückte Vorstellung. Aber darauf kommt es hier nicht an, sondern darauf, daß diese Vorstellung sinnbildlich wirkt für ein tiefes Geheimnis: die Liebe. Die Liebe ist etwas, dem wir ja mit menschlichen Vorstellungen nicht beikommen können, nicht einmal ganz mit Ahnung. Sie ist ein Geheimnis. Aber eine ihrer Eigenschaften können wir angeben: Durch das, was die Seele gibt, wird sie immer voller, immer reicher. Die Liebe hat diese Eigenschaft, die wir sinnbildlich ausdrücken können, und da finden wir das eigentümlich, was man auf einem andern Gebiet gewohnt ist.

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