Ergebnisse der Geistesforschung für Lebensfragen und das Todesrätsel
Man muß viele solche Vorstellungen wirken lassen. Dann treten ganz bestimmte Erfahrungen und Erlebnisse als Bilder, als «Imaginationen» auf; sie schießen vor uns auf, sie stehen vor uns da. Damit ist schon etwas erreicht, aber etwas, das man mit Vorsicht behandeln muß. Wer auf äußerlichem, materialistischem Standpunkt steht, wird mit Recht sagen: Jetzt habt ihr es gerade soweit gebracht wie diejenigen, die Halluzinationen und Visionen haben und aus der Seele etwas heraufholen, was nichts wert ist. - Da ist in der Tat eine Klippe. Die Menschen, die solche Visionen erleben, werden an sie glauben wie an etwas Wirkliches, viel wirklicher als die Dinge, die sie mit Augen sehen. Es gibt Menschen, die für ihre Wahnvorstellungen das logischste System ausdenken, um sie sich zu erhalten. Es gibt eine Bezeichnung, die das alles erklärt, die liegt in dem Wort «Selbstliebe». Warum glaubt der Mensch an diese Vorstellungen? Aus Selbstliebe; weil er selbst sie aus sich herausgeboren hat; weil der Mensch zunächst gar nicht anders kann, als sich zu identifizieren mit dem, was er innerlich ist. Das muß beachtet werden für einen Geistesforscher. Er muß einen so starken Willen haben, daß er sich sagt: Das, was ich sehe, ist nur Spiegelbild meines eigenen Wesens.
Cite:
GA 69a/1913-02-16/p014 · edition original